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13.5.2014

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Was sind eigentlich Bewertungsreserven?

Bewertungsreserven

Auszahlung von Luftgewinnen belastet treue Kunden

 

Schon seit Monaten geht es unter dem Schlagwort Bewertungsreserven in den Medien heiß her. Verbraucherschützer und ein Teil der Presse erwecken den Eindruck, dass Versicherer sich mit der von ihnen geforderten Gesetzesänderung auf Kosten der Kunden bereichern wollen. Auf der anderen Seite fordern Versicherer, Branchenexperten und einige Politiker endlich mehr Gerechtigkeit für treue Kunden. Doch von was für Reserven ist hier eigentlich die Rede? Ein Klärungsversuch.

 

Investitionen in Zinspapiere

 

Lebensversicherer legen das ihnen anvertraute Geld an den Kapitalmärkten an. Dabei investieren sie auch in Aktien und Immobilien. Der weitaus größte Teil fließt jedoch in fest verzinsliche Wertpapiere. Im Prinzip funktionieren die wie ein Sparbrief für Privatanleger. Der Versicherer leiht dem Schuldner für eine festgelegte Zeit einen bestimmten Betrag. Dafür erhält er vom Schuldner Zinsen und nach Ablauf der Zeit sein Geld zurück.

 

Lebensversicherer kaufen Anleihen

 

Da ein Lebensversicherer viele Millionen in Zinsanlagen steckt, kann er jedoch keine Sparbriefe oder Festgeldkonten nutzen wie ein Privatanleger. Stattdessen kauft er Anleihen, mit denen sich Staaten oder große Unternehmen Geld leihen. Diese Anleihen werden im Gegensatz zu Sparbriefen an der Börse gehandelt, bevor der Schuldner sie am Ende der festgelegten Zeit zurückzahlt. Häufig dauert das zehn Jahre und länger. Verändert sich nun während dieser Zeit das allgemeine Zinsniveau, reagieren darauf auch die Kurse der Anleihen.

 

Gute Zinsen, schlechte Zinsen

 

Beispiel: Eine Anleihe kostet 1000 Euro und bringt die in dieser Zeit am Markt üblichen vier Prozent Zinsen pro Jahr.  Sinkt nach einem Jahr das allgemeine Zinsniveau, gibt es bei vergleichbaren neuen Anleihen vielleicht nur noch drei Prozent Zinsen. Dann ist die alte Anleihe, die noch jahrelang einen Prozentpunkt mehr Zinsen pro Jahr zahlt, natürlich mehr wert, weil sie ja im Vergleich viel höhere Erträge bringt. Das führt dann dazu, dass der Kurs für das alte Papier steigt.

 

Kaufkurs versus Börsenkurs

 

Und da kommen die Bewertungsreserven ins Spiel. Sie stellen praktisch den Unterschied der Kaufkurse zum aktuellen Börsenkurs dar. Dabei geht es nicht um Kleinigkeiten. Das Zinsniveau sinkt seit Jahren. Wir befinden uns derzeit in einer extremen Niedrigzinsphase. Gerade bei Lebensversicherern, die überwiegend in Zinsanlagen investieren, hat sich der Wert der älteren Anleihen mit höherem Zins auf dem Papier um Milliarden erhöht.

 

Gewinne entstehen erst beim Verkauf

 

Die Betonung sollte jedoch auf „Papier“ liegen. Denn sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen entstehen solche Gewinne und Verluste natürlich erst, wenn sie wirklich verkauft werden. Das ist bei Aktien die Regel, sie haben ja keine begrenzte Laufzeit wie Anleihen. Hier versuchen Anleger neben den Dividenden auch Gewinne aus steigenden Kursen zu erzielen.

 

Versicherer halten Anleihen meist bis zum Ende der Laufzeit

 

Bei Anleihen sieht die Sache jedoch anders aus: Weil es Versicherern auf den regelmäßigen Ertrag aus Zinszahlungen ankommt, halten sie diese Papiere normalerweise bis zum Ende der Laufzeit – genau wie es ein Privatanleger mit seinem Sparbrief macht. Das heißt aber auch, dass die Bewertungsreserven, die im Laufe der Zeit entstehen können, eigentlich nur Luftgewinne sind. Denn zum Schluss bekommt der Versicherer genau eine Million Euro zurück, wenn er Anleihen im Nennwert von einer Million Euro gekauft hat.

 

Gut gemeint, schlecht gemacht

 

Seit 2008 schreibt ein Gesetz vor, den Kunden, deren Vertrag ausläuft oder die kündigen, die Hälfte der dann aktuellen Bewertungsreserven mitzugeben. Das war vom Gesetzgeber gut gemeint und ist bei Aktien und Immobilien sicher nachvollziehbar. Wir halten es jedoch nicht für sinnvoll, Kunden, die zufällig gerade gehen, auch Luftgewinne auszuzahlen. Deshalb sollte der Gesetzgeber die Beteiligung an den Bewertungsreserven von Zinspapieren für abgehende Kunden abschaffen.

 

Belastung für treue Kunden

 

Eine solche Reform würde keineswegs den Gewinn des Versicherers steigern, wie einige Kritiker meinen. Profitieren würde der weitaus größte Teil der Kunden. Die leiden nämlich in der aktuellen Niedrigzinsphase besonders: Ein großer Teil der lange laufenden Anleihen, die der Versicherer für sie hält, zahlt hohe Zinsen. Diese Erträge kommen den Versicherten zugute. Wenn jedoch  die ausscheidenden Kunden die Bewertungsreserven mitnehmen, entgeht den verbleibenden Kunden dadurch ein hübscher Batzen Geld.

schlecht ausreichend durchschnitt gut besonders gut
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7 Kommentare

So weit, so gut - bzw. schlecht. Denn seit 2008 verliert der Wert meiner Schlussgewinnanteile einen dreistelligen Eurobetrag, der sich aber nur zu ca. 60% in Erhöhungen der Bewertungsreserven widerspiegelt. In meinem konkreten Fall heißt das: Nächsten Monat, zum regulären Ablauf meiner LV, werden neben der Versicherungssumme und einer seit 2011 festgeschriebenen Zinssumme, 900 Euro Schlussgewinn und 6000 (!) Euro Bewertungsreserven fällig. Natürlich mit dem Hinweis versehen, dass die Bewertungsreserven noch gekürzt werden können. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich melde mich nach Erhalt meiner Versicherungsleistung, wie schlau oder dumm es war, im April nicht gekündigt zu haben.

Sehr geehrter Herr Koch,


vielen Dank für Ihren Kommentar. Was in Ihrem konkreten Fall besser gewesen wäre, können wir an dieser Stelle nicht feststellen. Vom Grundsatz her ist es aber richtig, dass es leider keine Lösung gibt, die für alle Kunden optimal ist. Wir wollten hier vor allem darstellen, dass es nicht um eine Umverteilung zwischen Kunden und Versicherungsunternehmen geht.


Beste Grüße, Robert Hirmer

Sehr geehrter Herr Hirmer!

Danke für Ihre Antwort. Es geht hier aber eben nicht um "meinen konkreten Einzelfall"! Es geht um, wie ich lese, ca. 4 Mio. demnächst ablaufender Verträge, die von dieser Kürzung betroffen sind.
Zum Zweiten: Es geht aus meiner Sicht sehr wohl zunächst um eine Umverteilung vom Kunden zum Versicherer, wenn aus z. B. 6.000 Euro Schlussgewinn plötzlich 400 Euro werden, aber zum gleichen Zeitpunkt nur 4.000 Euro Bewertungsreserven entstehen mit dem Hinweis auf Reduktion oder Wegfall derselben - auch dies ist, relativiert, kein konkreter Einzelfall sondern auf alle Verträge angewendet worden.

Mit freundlichen Grüßen

Sehr geehrter Herr Koch,


dass Sie ein Einzelfall sind, habe ich ja auch gar nicht behauptet. Ich wollte nur darauf hinweisen, dass es diverse individuelle Gründe für eine Entscheidung gibt. So ist eine vorzeitige Kündigung für den Kunden in der Regel mit Nachteilen verbunden. Der Kunde verliert seinen Versicherungsschutz. Das ist besonders von Bedeutung, wenn der Vertrag auch Leistungen für den Todesfall vorsieht. Außerdem kann eine Kündigung mit steuerlichen Nachteilen verbunden sein, z.B. wenn es sich um einen Vertrag nach altem Steuerrecht handelt und die steuerliche Mindestlaufzeit von 12 Jahren noch nicht erreicht ist.


Wenn Sie von vier Millionen betroffenen Kunden sprechen, vergessen sie bitte nicht, dass es in Deutschland rund 90 Millionen Lebensversicherungsverträge gibt. Die große Mehrheit der Kunden wird von der Neuregelung profitieren.


Hier finden Sie ausführliche Informationen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zum Lebensversicherungs-Reformgesetz http://www.gdv.de/2014/07/lebensversicherungsreform-das-aendert-sich-fuer-kunden-und-unternehmen/ und den Bewertungsreserven http://www.gdv.de/2014/04/gute-gruende-fuer-eine-zuegige-neuregelung/.


Mit freundlichen Grüßen und alles Gute, Robert Hirmer

Sehr geehrter Herr Hirmer!
Bei der Risikolebensversicherung mag es um eine Solidar- Gemeinschaft und einen Solidar- Beitrag gehen. Bei einer Kapitallebensversicherung aber eben nur zum (kleinen) Risiko-Anteil. Wenn ich Sie richtig verstehe, wollen Sie 85 Mio. Weiter-/Längerversicherte glauben machen, das 5 Mio. Vertragsausläufer Ihnen die Rendite schmälern? Diese gegeneinander auszuspielen liest man überall im Netz, und auch die Antworten darauf, z.B. von Herrn Kleinlein vom Bund der Versicherten. Längerversicherte bekommen doch demnächst 90 statt 75 % aus den Risikoüberschüssen. Das geht den Kurzläufern zusätzlich verloren. Das Schlimmste? Es gibt keinen Vertrauensschutz mehr für Bürger und Versicherte. Allerdings auch kein Vertrauen mehr in Versicherungsgesellschaften und Politiker, deren Deal dankenswerter Weise auch öffentlich gemacht wurde (siehe www.openpetition.de )
Freundliche Grüße bis September mit konkreten Zahlen!

Sehr geehrter Herr Koch,


Ihre Aussage trifft nur auf fondsgebundene Lebensversicherungen zu. Bei einer klassischen Lebensversicherung findet auch der Sparprozess im Kollektiv mit entsprechenden Ausgleichmechanismen statt. So können gleichmäßige Zahlungsströme gewährleistet werden. Der GDV hat das sehr anschaulich in einer Grafik erklärt: http://www.gdv.de/2014/01/lebensversicherer-organisieren-stetige-kapitalstroeme-fuer-die-versicherten/


Beste Grüße, Robert Hirmer

Sehr geehrter Herr Hirmer, liebe mitbetroffene Versicherungsnehmer!
Habe heute die Mitteilung über die Auszahlungssumme meiner am 31.08.2014 ablaufenden (nicht gekündigten!) Kapitallebensversicherung bekommen. Meine 32-Jährige Treue wurde belohnt durch den vollständigen Abzug des den Sockelbetrag überschießenden Teils der Bewertungsreserven. Dafür wurde eine erwartete Aufstockung der Risikogewinnanteile (von 75 auf 90%; dasselbe Gesetz betreffend) nicht einmal erwähnt. Ergo: Jeder, der geglaubt hat "Durchhalter" würden besser gestellt als "Kündiger", oder die ERGO würde nicht zu den Gesellschaften gehören, die "erhöhten Sicherheitsbedarf" hätten und Bewertungsreserven ausschütten würden, irren gewaltig. Ich kann jetzt wirklich nur JEDEM raten, seinen Vertrag zu überprüfen, denn ab dem 01.01.2015 wird sicher auch die Sockelbeteiligung gestrichen, oder was glaubt Ihr?
Ich hoffe, mein "Solidaritätsbeitrag" von reichlich 3.500 EUR und der, der anderen ca. 5 Mio. betroffenen Versicherten "retten" die notleidenden Versicherer. Was auf jeden Fall gerettet wird, sagen uns sicher bald Magazine wie z. B. WISO oder PLUSMINUS. Ich werde die Auszahlungssumme "unter Vorbehalt" annehmen und auf jeden Fall fachanwaltlich prüfen lassen, sowie jede (auch verfassungsrechtliche) Klage unterstützen. In diesem Sinne und mit erheblicher Frustration versehen verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
John Koch

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