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Die gesetzliche Rente bietet nicht genügend Sicherheit. Deshalb wird die gesetzliche Rente idealerweise durch betriebliche Altersversorgung und private Altersvorsorge ergänzt.

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18.8.2015

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Altersvorsorge ohne Zinsen

Johannes Lörper, Mitglied des Vorstands der ERGO Lebensversicherung

Das konnte sich keiner vorstellen: Zehnjährige Bundesanleihen bringen keinen nennenswerten Zins mehr und bei kürzeren Laufzeiten müssen Anleger sogar bezahlen, wenn sie ihr Geld verleihen. Die Bürger können sich indirekt zwar freuen, dass ihr Finanzminister so günstig an Geld kommt. Doch die Schattenseite der Niedrigzinsphase bekommen sie direkt zu spüren: Sparen ist zu einer frustrierenden Angelegenheit geworden und der Zinseszinseffekt macht sich kaum noch bemerkbar.

 

Das trifft die langfristige Altersvorsorge besonders stark – in einer Zeit, in der sie nötiger ist denn je. Hält die kapitalgedeckte Altersvorsorge also nicht, was ihre Verfechter in den vergangenen Jahrzehnten versprochen haben? Ist das Umlageverfahren doch der Königsweg für eine sichere Vorsorge?

 

Unsere Rente ist sicher …

 

Das Umlageverfahren stützt sich auf eine ganz besondere Stärke: Vergangene Krisen spielen keine unmittelbare Rolle für die Stabilität des Systems. Das Umlageverfahren ist immer von der aktuellen Wirtschaftslage abhängig. Nur so war es nach 1945 möglich, für breite Teile der Bevölkerung eine angemessene Rente zu finanzieren. Das Umlageverfahren hat jedoch heute seine ganz eigene Sorge: die demographische Entwicklung. Während es in den 50ern und 60ern wenige Rentner gab und viele Beitragszahler, wird sich das Verhältnis in Zukunft umkehren. Gleichzeitig leben die Menschen immer länger – ein Trend, dessen Ende nicht abzusehen ist. 

 

…aber in welcher Höhe?

 

Diese Problematik hat die Politik bereits erkannt und den demographischen Faktor eingeführt. Dadurch bleibt die gesetzliche Rente zwar eine sichere Angelegenheit. Die Folgen für die künftigen Rentner sind dennoch gravierend: Im Vergleich zu den Einkommen der aktiven Arbeitnehmer sinken ihre Bezüge – auf bis zu 40 Prozent des früheren Gehalts. Und das Renteneintrittsalter steigt stufenweise bis auf 67 Jahre an. Die „Rente mit 63“ dürfte dagegen ein politischer Ausrutscher sein, der längerfristig nicht solide finanzierbar ist.

 

Freiwillige Umlage bringt nichts

 

Verhungern wird in Deutschland auch in Zukunft wohl niemand. Den gewohnten Lebensstandard wird die gesetzliche Rente jedoch nicht sicherstellen können – schon gar nicht für Besserverdienende. Zusätzliche Altersvorsorge ist die einzige Lösung für dieses Problem. Doch in welcher Form funktioniert das am besten? Sicher nicht mit freiwilligen Einzahlungen in das Umlageverfahren. Die künftigen Rentner haben davon nämlich gar nichts. Dieses Geld würde systembedingt den heutigen Rentnern zu Gute kommen. Die stehen aber zum größten Teil ziemlich gut da und brauchen keine Unterstützung. Ob es in der Rentenzeit der heutigen Aktiven später genug Arbeitnehmer geben würde, die freiwillig in das Umlageverfahren einzahlen, kann jedoch niemand vorhersagen. Angesichts der demographischen Veränderungen darf man skeptisch sein. Die künftigen Aktiven werden mit der erzwungenen Finanzierung der gesetzlichen Rente schon schwer belastet.

 

Kapitalgedeckte Systeme neu erfinden

 

Für eine Zusatzvorsorge eignen sich kapitalgedeckte Vorsorgesysteme besser. Wer freiwillig für das Alter spart, will sicher sein, dass er von seinem Konsumverzicht später profitieren wird. Von den über Jahrzehnte gewohnten Garantien werden wir uns jedoch verabschieden müssen. Sie engen die Versicherer bei der Kapitalanlage zu sehr ein. Wer auf 30 bis 40 Jahre eine garantierte Verzinsung zum Ablauf und gleichzeitig im Voraus einen jährlichen Rückkaufwert zusichern muss, hat kaum noch Spielraum. Und gerade in der Niedrigzinsphase wird deutlich, wie wichtig eine angemessene Handlungsfreiheit bei der Kapitalanlage ist. Langfristig Wert schaffende Anlagen – etwa am Aktienmarkt – schwanken nun einmal stärker.

 

Ohne die einengenden Bedingungen in der klassischen Lebensversicherung wäre das kein Problem. Denn auf lange Sicht, lässt sich dieses Risiko gut beherrschen. Neue Lösungen sind notwendig und umsetzbar: Das können niedrige Garantieniveaus sein – zum Beispiel 80 Prozent des Nominalwerts. Andere Möglichkeiten sind Produkte, bei denen der Wert des angesparten Kapitals nur in vorgegebenen Rahmen schwankt oder die Höhe der Garantie nach bestimmten Abschnitten neu festgelegt oder gar ganz heruntergefahren wird. Da müssen Produktentwickler kreativ werden: An früher gut funktionierenden Modellen festzuhalten, reicht nicht.

 

Mit den Kunden offen reden

 

Welche unangenehmen Folgen das klassische Garantiemodell für die Altersvorsorge haben kann, müssen wir den Kunden vernünftig erklären. Das ist vielleicht gar nicht so schwer: Als die Zinsen vor Jahren noch bei sechs Prozent und mehr lagen, interessierten sich weder Kunden noch Berater für die Garantieverzinsung. Warum auch, jeder Lebensversicherer konnte ordentliche Überschüsse und somit Schutz vor Inflation bieten. Der Garantiezins war lediglich eine Art Hygienefaktor – ein Fallschirm für einen Absturz, an den niemand glaubte. An den heutigen Zinsmärkten muss ein Lebensversicherer dagegen sehr langfristig investieren, um wenigstens seine Garantiezusagen erfüllen zu können. So mindert er jedoch die Chancen auf eine Partizipation an steigenden Zinsen. Mit Blick auf eine mögliche Inflation könnte man dann bei einer klassischen Lebensversicherung schon eher von einem „garantiertem Risiko“ sprechen. Das müssen wir unseren Kunden klar machen.

 

Kostensenkungen reichen nicht

 

Deswegen nützt es nichts, nur laut nach Kostensenkungen zu rufen. Die Forderung ist zwar verständlich und in der Branche auch angekommen. Das grundsätzliche Problem zu geringer Altersvorsorge lösen Kostensenkungen jedoch nicht. Im Gegenteil: Viele Branchenkritiker vergessen, dass es bei niedrigen Zinsen noch schwieriger wird, den Kunden vom Abschluss einer langfristigen Altersvorsorge zu überzeugen. Soll diese schwierige Arbeit der Berater nicht entlohnt werden? Wer das fordert, muss in Kauf nehmen, dass private Zusatzvorsorge kaum wachsen wird. Rentenversicherungen verkaufen sich nun einmal nicht so einfach wie Smartphones. Als Alternative kämen praktisch nur obligatorische Lösungen in Frage – oder zumindest quasi-obligatorische Angebote in der betrieblichen Altersversorgung.

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