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10.11.2015

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Solvency II – die große Herausforderung

Karl Borowski, ERGO Experte für Solvency II

Karl Borowski aus dem ERGO Risikomanagement erklärt im Interview, worum es bei der europäischen Reform des Versicherungsaufsichtsrechts (Solvency II)  geht und wie ERGO auf den Start im Januar 2016 vorbereitet ist.

 

Herr Borowski, der Januar 2016 wird für Versicherer einschneidende Änderungen bringen. Können sie uns erklären was sich hinter dem neuen Aufsichtsrecht verbirgt?
Wir stehen tatsächlich vor einer grundlegenden Reform des Versicherungsaufsichtsrechts – und zwar in ganz Europa. Solvency II ist ein Projekt der Europäischen Kommission, mit dem Ziel, einheitliche Vorschriften in der EU zu etablieren. Die Reform soll den Schutz der Versicherten erhöhen und durch europaweit einheitliche Standards gleiche Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Die größte Herausforderung wird für viele Unternehmen die Erfüllung der neuen Kapitalanforderungen und die Nutzung für die interne Steuerung sein.

 

Was bedeutet Solvency II?

 

Solvency II ist für den Laien ein geheimnisvoller Fachbegriff. Können Sie uns erklären, was das konkret bedeutet?
Solvency II ist in drei Bereiche gegliedert – die sogenannten drei Säulen. Aufsichtsprojekte im Bankenbereich sind ähnlich strukturiert. Die erste Säule ist die aktuell am meisten diskutierte: Hier geht es um die Umsetzung der quantitativen Anforderungen. Dazu gehört die Erstellung einer ökonomischen Bilanz. Damit sind die Bewertungen der Vermögenswerte und Verbindlichkeiten auf ökonomischer Basis und die risikoadäquate Berechnung der konkreten Kapitalanforderungen gemeint. In der zweiten Säule geht es vor allem um Kontrolle. Hier sind beispielsweise die Anforderungen an die Unternehmensführung, die Risikostrategie und das interne Berichtswesen festgelegt. Auch die aufsichtsrechtlichen Prüfungs- und Eingriffsrechte sind in der zweiten Säule geregelt. Welche Berichte und Zahlen ein Versicherer der Öffentlichkeit zugänglich machen muss, regeln die Vorschriften der dritten Säule.

 

Aufgabe für alle europäischen Gesellschaften

 

Das hört sich nach viel Arbeit an. Wo steht ERGO denn heute?
Vor allem bei der Umsetzung der Säule I kommt uns zu Gute, dass wir unser Geschäft schon seit Jahren intern nach ähnlichen Prinzipien steuern. Das wird jetzt durch Solvency II für die ganze Branche verpflichtend. Trotzdem ist Einführung von Solvency II natürlich eine Herausforderung. Viele Kollegen haben mit großen Einsatz über Jahre daran gearbeitet – und das nicht nur bei ERGO in Deutschland. Unsere Tochtergesellschaften in der Europäischen Union müssen sich alle mit ihren nationalen Besonderheiten auseinandersetzen. Außerdem ist Solvency II auch ein Thema, das wir mit den Kollegen bei der Munich Re und der MEAG gemeinsam umsetzen.

 

Wieso nationale Besonderheiten? Soll Solvency II nicht einheitliche Standards bringen?
Grundsätzlich ja, nur liegt die Umsetzung des europäischen Rechts bei der nationalen Versicherungsaufsicht. Obwohl durch die europäischen Vorgaben Minimumstandards formuliert werden, können Besonderheiten der einzelnen Versicherungsmärkte eine Rolle spielen. Bei Säule I kann ein Unternehmen beispielsweise wählen, ob es die Berechnungen in einem vorgegebenen Standardmodell durchführt oder ein so genanntes internes Modell einsetzt. Mit der zweiten Möglichkeit kann der Versicherer unter Umständen Risikokapital einsparen. Dafür ist die Umsetzung besonders anspruchsvoll und die nationale Aufsicht muss jedes interne Modell einzeln genehmigen und auch die ausländischen Aufsichtsbehörden einbeziehen. Bei so einem Gruppenantrag kommen ganz leicht mehrere tausend Seiten zusammen.

 

Beantragen wir denn ein internes Modell oder sparen wir uns den Aufwand?
Unsere Konzernmutter Munich Re hat ein internes Gruppenmodell beantragt. Dieses soll auch für einige Gesellschaften der Gruppe als Solomodell zur Bestimmung ihrer Kapitalanforderungen angewendet werden, beispielsweise bei unserem Schaden- und Unfallversicherer ERGO Versicherung AG und der ERGO Direkt Versicherung AG. Der Antrag wird dabei für alle Gesellschaften gemeinsam gestellt. Das verursacht insgesamt einen sehr hohen Aufwand, der sich aber lohnen wird.

 

Übergangsregelung für Lebensversicherer

 

Für Lebensversicherer können bei Solvency II Übergangsregelungen beantragen, um mit der Niedrigzinsphase besser klar zu kommen. Machen die ERGO Lebensversicherer davon Gebrauch?
Gerade in Deutschland geben die Lebensversicherer den Kunden sehr langfristige Garantien. Bei einer privaten Rentenversicherung oder bei einem Riester-Vertrag sprechen wir über Zeiträume von 60 Jahren und mehr. Die Abbildung der Risiken wirft unter Solvency II viele Herausforderungen auf, die es in der Sachversicherung so nicht gibt. Aus diesem Grund ist es grundsätzlich sinnvoll, dass die Unternehmen mit den Übergangsregelungen flexibler arbeiten können. Das ist jedoch nur eine Option und nicht verpflichtend. Wir haben bei den Lebensversicherern der ERGO Versicherungsgruppe noch nicht endgültig entschieden, wie wir vorgehen werden. Als großer Versicherungsgruppe stehen uns mehrere Möglichkeiten offen. Eine Entscheidung werden wir treffen, sobald auch die letzten Solvency II Rahmenbedingungen feststehen.

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