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13.10.2015

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Rente: Die Versorgungsillusion

Betriebliche Altersvorsorge

Wer fleißig arbeitet und seine Rentenbeiträge zahlt, braucht sich im Alter nicht zu sorgen. Darauf setzen viele Bundesbürger weiterhin. Kein Wunder, da die gesetzliche Rentenversicherung für breite Teile der Bevölkerung die wichtigste Einkommensquelle im Alter ist – vielleicht sogar die einzige. Und überwiegend nehmen die Menschen in ihrem Umfeld rüstige Rentner wahr, die nach einem harten Arbeitsleben ihren Ruhestand genießen.

 

Dieser unzweifelhafte Erfolg des deutschen Rentensystems beruht auf einer besonderen Stärke: Vergangene Krisen spielen keine unmittelbare Rolle für die Stabilität des Umlageverfahren. Es ist ausschließlich von der aktuellen Wirtschaftslage abhängig. Sind viele Leute in sozialversicherungspflichtiger Arbeit, fließen die Beiträge und damit auch die Renten. Denn das ist der Kern des Systems: Die derzeitigen Arbeitnehmer zahlen den heutigen Rentnern ihre Bezüge. Nur auf diese Weise war es nach 1945 möglich, für breite Teile der Bevölkerung eine angemessene Rente zu finanzieren. Hektische Schwankungen und Blasen an den Kapitalmärkten und extrem niedrige Zinsen bergen für das Umlageverfahren wenig Gefahr, so lange diese Probleme nicht stark auf die Realwirtschaft durchschlagen und zu einer langfristigen Wirtschaftsflaute führen.

 

Problem: Die demographische Entwicklung

 

Das Umlageverfahren hat jedoch heute seine ganz eigene Sorge: die demographische Entwicklung. Wie es um die Zukunft der gesetzlichen Renten in Deutschland steht, lässt sich eben nicht auf der Straße sehen, sondern an einer statistischen Kennzahl wie dem Medianalter. Sie teilt die Bevölkerung in eine jüngere und eine ältere Hälfte. Bis Mitte der 70er Jahre lag das Medianalter in Deutschland noch unter 35 Jahren. Die eine Hälfte der Bevölkerung war also jünger als 35 Jahre, die andere älter. Inzwischen ist das Medianalter auf mehr als 45 Jahre gestiegen. Kein Wunder, die Zahl der Geburten ist hierzulande extrem niedrig und die Lebenserwartung hoch. 8,2 Kinder pro 1000 Einwohnern kamen in Deutschland in den vergangenen Jahren zur Welt. In Frankreich und Großbritannien liegt die Quote bei 12,7. Gleichzeitig können sich die deutschen Babys auf ein langes Leben freuen: Neugeborene Mädchen werden im Schnitt zwischen 87 und 90 Jahre alt, Jungen zwischen 85 und 89 Jahre. Während es also bis zu den 70ern wenige Rentner gab und viele Beitragszahler, kehrt sich das Verhältnis unaufhaltbar um.

 

Die Rentenbezüge sinken

 

Die Politik muss nun eine Illusion zerstören, die sie selbst mit aufgebaut hat: Die Versorgungsillusion. Zwar hat die Politik die Probleme schon lange erkannt und den demographischen Faktor bei der gesetzlichen Rente eingeführt. Das sorgt für Sicherheit, hat für künftige Rentner jedoch gravierende Folgen: Im Vergleich zu den Einkommen der aktiven Arbeitnehmer sinken ihre Bezüge – auf bis zu 40 Prozent des früheren Gehalts. Und das Renteneintrittsalter steigt stufenweise bis auf 67 Jahre an. Die „Rente mit 63“ wirkt angesichts dieser Situation wie eine politische Wende, ist aber wohl eher ein Ausrutscher. Längerfristig dürfte das nicht solide finanzierbar sein.

 

Ausbau der betrieblichen Altersversorgung

 

Was also tun, wenn das gesetzliche Umlageverfahren aus demographischen Gründen an seine Grenzen stößt und die private Vorsorge weiterhin nicht das gewünschte Niveau erreicht. Die Antwort liegt in einem Rentensystem mit drei Säulen eigentlich auf der Hand: ein Ausbau der betrieblichen Altersversorgung (bAV). Denn nur mit einer kapitalgedeckten Vorsorge können die Bürger ihre Altersversorgung vorfinanzieren. Mit einem Umlageverfahren funktioniert das nicht. Im Vergleich zu vielen anderen Industriestaaten ist dieser Vorsorgeweg in Deutschland ausbaufähig. Zwar ist eine bAV für die Mitarbeiter von Traditionskonzernen wie Henkel und Siemens eine Selbstverständlichkeit. Die Masse der deutschen Arbeitnehmer verdient ihr Geld jedoch bei kleinen und mittleren Unternehmen. Und hier ist die Rente vom Chef eher die Ausnahme.

 

„Tarifrente“ schafft mehr Probleme als sie löst 

 

Die Politik hat das erkannt und die bAV ganz oben auf die Rentenagenda gesetzt. Der gute Wille garantiert jedoch nicht automatisch einen guten Weg. Das angedachte Konzept einer „Tarifrente“ schafft mehr Probleme als es löst. Die von der Regierung vorgeschlagenen gemeinsamen Versorgungseinrichtungen von Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften wären der Versuch, die Verbreitung der bAV über eine Zwangslösung zu erreichen. Passt das zu unserer Marktwirtschaft? Entspricht das den Vorstellungen der Unternehmen und Beschäftigten? Ich bezweifle das und stimme Abraham Lincoln zu, unter dessen Regierungszeit im 19. Jahrhundert sich die Vereinigten Staaten zu einem modernen Industriestaat entwickelten: „Ihr könnt den Menschen nie auf Dauer helfen, wenn ihr für sie tut, was sie selber für sich tun sollten und können.“

 

Es gibt bereits fünf funktionierende Wege

 

Wir haben in Deutschland bereits fünf funktionierende Durchführungswege in der bAV. Ein weiterer Weg, der auch noch gegenüber den anderen Lösungen privilegiert wäre, würde dem System mehr schaden als nutzen. Und wie viele kleinere Unternehmen man mit einer Lösung erreicht, die an eine Tarifpartnerschaft gebunden ist, darf bezweifelt werden. Oder wollen wir Zwangsmitgliedschaften in Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften? Der unter dem Namen „Nahles-Rente“ bekannt gewordene Vorschlag ist schlicht überflüssig. Ein griffiger Name mag die Medien beim sperrigen Thema bAV freuen, bringt uns aber keinen Schritt weiter. Schon die Idee, in dieser Zeit neue Versorgungseinrichtungen aufzusetzen, die dann einen Kapitalstock mit extrem niedrig verzinsten Papieren aufbauen, mag sich mir nicht erschließen.

 

bAV beim Arbeitsplatzwechsel fortführen

 

Gerade die Versicherungsindustrie bietet Produkte an, die alle Anforderungen an eine moderne bAV abdecken. Für kleine und mittlere Unternehmen kommt dabei vor allem die Direktversicherung in Frage. Hier nimmt der Versicherer dem Unternehmen so viel Verwaltungsaufwand ab wie möglich. Gleichzeitig weiß der Arbeitnehmer, dass er seine bAV auch bei einem Arbeitsplatzwechsel fortführen kann. Das heißt nicht, dass die Politik nicht helfen könnte. Dafür muss man aber keine neuen Institutionen und Durchführungswege schaffen. Viel wichtiger ist, die Schwierigkeiten der Unternehmen und Beschäftigten im aktuellen System zu erkennen und die Regulierung zu modernisieren.

 

Neuer Schwung für die bAV durch drei Änderungen 

 

Drei Änderungen würden meiner Meinung nach reichen, der bAV neuen Schwung zu geben:

 

Erstens geht es darum, das viel beklagte Informationsdefizit über die Vorteile der bAV sowie über den Rechtsanspruch auf eine Entgeltumwandlung zu beseitigen. Hierfür gibt es sinnvolle Vorschläge, beispielsweise eine Informationspflicht oder die betriebsindividuelle Opting-Out-Modelle. Jedes Unternehmen müsste sich dann mit dem Thema beschäftigen und ein Angebot vorhalten. Gleichzeitig würde es keinen Arbeitnehmer mehr geben, der sein Recht auf eine Betriebsrente nicht kennt.

 

Zweitens sollte der Gesetzgeber den Förderrahmen von derzeit vier Prozent der Bemessungsgrenze auf zehn Prozent erweitern. Derzeit müssen die Unternehmen verschiedene Durchführungswege kombinieren, um beispielsweise neben den vom Arbeitnehmer getragenen Beiträgen auch eine arbeitgeberfinanzierte Komponente anzubieten. Und dieser Fall ist gar nicht selten. Das führt jedoch zu komplexen und aufwändigen Versorgungswerken.

 

Ein dritter Punkt ist entscheidend, wenn wir Geringverdiener erreichen möchten: Die Rente aus einer bAV darf nicht mehr voll auf die Grundsicherung angerechnet werden. Sonst werden wir keine Chance haben, diese Bevölkerungsgruppe zu mehr Eigenvorsorge zu bewegen. Dabei sind gerade das die Menschen, die sie am dringendsten brauchen, um im Alter ein würdiges Leben führen zu können. Denn auch einer weiteren Aussage Abraham Lincolns stimme ich voll zu: „Am Ende sind es nicht die Jahre in deinem Leben, die zählen. Es ist das Leben in deinen Jahren.“

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