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30.5.2017

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Multiple Sklerose: Die Krankheit der 1.000 Gesichter

Mitarbeiterin Silke Römer

Meine MS-Geschichte beginnt im August 2006. Schon in den Monaten vorher merkte ich, dass irgendetwas mit mir nicht okay ist. Ohne genau benennen zu können, was mir komisch vorkam. Einige Wochen vor der Diagnose ich hatte gerade noch einen sommerlich, heißen 10-km-Lauf hinter mich gebracht – begann mein rechter Arm, sich merkwürdig zu verhalten.

 

Er kribbelte irgendwie ganz komisch, ich konnte zum Beispiel einen Stift nicht mehr richtig festhalten und hatte infolgedessen eine Handschrift wie ein alter, zittriger Mensch. Da ich viel am Schreibtisch arbeite, dachte ich, das käme von einer Verspannung in der Schulter. Also ließ ich mir Massagen verschreiben, die aber nicht wirklich halfen.

 

Eine fast harmlose Diagnose

 

Eines Morgens wachte ich dann auf und fühlte mich regelrecht seekrank. Da sich diese Seekrankheit nicht von alleine legte, rief mein damaliger Partner bei unserem Hausarzt an. Dieser sagte, dass ich sofort ins Krankenhaus fahren sollte. Dort hat man die nächsten 3 Tage die üblichen Untersuchungen an mir vorgenommen und dann relativ schnell die Diagnose Multiple Sklerose gestellt. An dieser Stelle werde ich immer gefragt, ob ich geschockt war. Und „nein“, das war ich nicht. Es hatte in den Monaten zuvor in meinem erweiterten Bekanntenkreis zwei Fälle gegeben, in denen Frauen in meinem Alter an einem Gehirntumor erkrankt waren. Und ich war felsenfest davon überzeugt, auch einen Tumor zu haben und eine Operation überstehen zu müssen. Vor diesem Hintergrund war die Diagnose MS für mich schon fast harmlos.

 

Die Therapie

 

Mein damaliger, erster Schub wurde – wie üblich – mit einer hochdosierten Kortisontherapie behandelt. Nach einigen Wochen war ich dann komplett beschwerdefrei. Und es ging mir sogar besser, als einige Monate zuvor. Das latente Unwohlsein, das mich über viele Monate begleitet hat, hatte endlich einen Namen (Multiple Sklerose) und ich die Möglichkeit, mich lesender Weise damit auseinanderzusetzen. Der Neurologe im Krankenhaus hat mir damals ein Buch empfohlen, das mir sehr geholfen hat. In diesem wurde versucht zu erklären, was Multiple Sklerose ist, welche Symptome es geben kann und welche Möglichkeiten man selbst hat, mit der Krankheit umzugehen.

 

In den darauf folgenden Jahren (bis ca. Anfang 2015) hat man mir die Krankheit nicht angesehen. Die Schübe, die ich zwischenzeitlich hatte, habe nur ich gemerkt. Mal hatte ich das Gefühl, als würden „1.000 Ameisen“ durch meine Beine laufen, mal konnte ich auf dem linken Auge nicht recht sehen. Aber alle Schübe gingen ohne bleibende Schäden vorbei.

 

Positives Feedback hilft

 

Seit etwas mehr als zwei Jahren habe ich jedoch Probleme mit dem linken Bein. Was u. a. bedeutet, dass es mittlerweile offensichtlich ist, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist. Ich muss gestehen, dass ich mich an diese Tatsache erst einmal gewöhnen musste. Denn auch wenn es die meisten Menschen nur gut meinen: Manchmal ist es schon etwas schwer, die Frage „Hast du dich beim Sport verletzt?“ zu beantworten. Aber mittlerweile nehme ich das mit einer Portion Humor, freue mich über die Anteilnahme der Menschen und beantworte - soweit möglich - gerne alle Fragen rund um das Thema MS. Und dadurch bekomme ich unglaublich viel positives Feedback von (vermeintlich) gesunden Menschen. Das tut wiederum mir gut!

 
Und auch wenn es natürlich Momente gibt, in denen das Leben mit Multipler Sklerose wirklich doof ist, würde ich mich als optimistischen und lebensfrohen Menschen bezeichnen. Es macht aber keinen Spaß, zu Fuß in einen Regenschauer zu geraten, wenn man nicht rennen kann, um ins Trockene zu gelangen. Und um dem Regen dann doch noch zu entkommen, begleitet mich seit einiger Zeit mein Tret-Roller als treuer Begleiter im Büro, in der Stadt und auf Reisen.

 

Ich kann daher aus meiner Erfahrung nur sagen:

 

Ja, MS ist eine chronische Krankheit, die einen ein Leben lang begleiten wird. Aber sie macht mich ein Stück weit auch zu dem Menschen, der ich bin, gehört zu und ist ein Teil von mir. Wer die Diagnose Multiple Sklerose bekommt, braucht keine Angst haben: Das Leben geht weiter!

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