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27.6.2014

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Mutige Menschen - Ausreise aus der DDR

Ausreise-Unterlagen und ein Foto des Trabbis

Aufbruch in ein neues Leben

 

Als ich gehört habe, welchen Fokus unsere Werbekampagne in diesem Jahr hat, habe ich mich gefragt, was für mich Mut ist. Ich musste gar nicht lange nachdenken, denn eins ist klar: Das, was meine Eltern für mich und meine Schwester damals getan haben, war Mut. Sie haben 1984 die Entscheidung getroffen, den Ausreiseantrag in die damalige BRD zu stellen.

 

Über vier Jahre hat es gedauert, viel Schikane haben sie in dieser Zeit eingesteckt, um uns zu ermöglichen, unsere Meinung frei äußern zu können. In einem Land zu leben, in dem es keine Grenzen gibt, in dem die Welt für uns offen steht und wir verreisen können, wohin wir wollen. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar. Sie haben mit diesem Entschluss viel auf sich genommen. Sie mussten einstecken, dass sie mit der Unterschrift auf dem Antrag ihren erlernten Beruf nicht mehr ausüben durften. Sie bekamen Hilfsjobs und mussten in regelmäßigen Abständen auf dem Rat der Stadt stundenlang warten, um sich erneut einem „Überzeugungsgespräch“ zu unterziehen. Immer wieder wurde ihnen erzählt, wie toll die DDR sei. Und wenn sie den Antrag zurücknähmen, bekämen sie sofort ihre vorherigen Arbeitsplätze zurück.

 

Tränenreicher Abschied von liebgewonnenen Dingen

 

Aber sie haben sich nicht verbiegen lassen. Sie haben zusammengehalten, trotz der schwierigen Situation und wir haben es geschafft. Am 22. Dezember 1988 durften wir mit unserem Trabi ausreisen. Knapp zwei Wochen vorher hatten wir den Ausreisebescheid erhalten und mussten alle Sachen packen, verschenken oder verkaufen. Ich erinnere mich noch genau daran. Ich war damals neun. Fast alle meine Spielsachen in Säcke zu packen und dem Kinderheim zu schenken war sehr tränenreich. Mitnehmen war aber nicht möglich. Die wichtigsten Dinge hatten meine Eltern in Speditionskisten gepackt. Aber jede Kiste mehr bedeutete auch weitere Transportkosten.

 

Wir wussten nicht, ob alles glatt läuft

 

Meine Eltern haben uns vorab nie etwas vom „goldenen Westen“ erzählt. Ihnen war klar, dass auch hier jeder seiner Arbeit nachgehen wird und dass einem nichts geschenkt wird. Auch, dass es nicht leicht wird, alles neu aufzubauen. Aber eines war klar: Wir sind frei! Sie wussten nicht, ob alles glatt läuft und das haben sie uns auch nicht verschwiegen. Gehört hatte man viel: Festnahmen, die Kinder in Heime… Aber diente dies der Einschüchterung oder war es real?

 

Alleine mit bewaffneten Grenzbeamten

 

Dementsprechend angespannt war die Stimmung an der Grenze. Wir alle hatten ein wenig Angst und die Gegend erschien für mich als Kind sehr düster. Und das lag nicht nur an der Tageszeit. Verstärkt wurde das ungute Gefühl, als meine Eltern am Grenzübergang aufgefordert wurden, das Auto auszuräumen und sie mit unseren Koffern in einen Untersuchungsraum mussten. Meine Schwester und ich standen stundenlang umringt von bewaffneten Grenzbeamten allein in der Kälte und wussten nicht, ob die Eltern wiederkommen. Die Zeit der Ausreise endete um Mitternacht und es wurde schon dunkel, als wir ins Sperrgebiet hineinfuhren.

 

Geschafft - Erleichterung

 

Doch sie kamen zurück. Erleichterung verspürten wir jedoch nicht, als wir alle wieder im gepackten Auto saßen. Es folgte eine schier endlose Fahrt durch die Dunkelheit, verfolgt von den Scheinwerfern der Grenzposten im öden Sperrgebiet. Und endlich sahen wir die Fahne der BRD und den kleinen Grenzposten vor uns. Dort wurden wir von unseren Verwandten in Empfang genommen. Die Erleichterung erfolgte erst am nächsten Rastplatz, die Angst verdrängt durch die vielen neuen Eindrücke, Gerüche, die bunten Lichter der Leuchtreklame und der bunten Verpackungen der Süßigkeiten. Ich weiß noch genau, was mir der Cousin meiner Mutter dort kaufte: Cola und Chips. Geschafft! Bereit ein neues Leben aufzubauen. Ich finde, das war mutig.

 

Eine Sache ist Tradition geblieben: Wir stoßen jedes Jahr am 22. Dezember darauf an.

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2 Kommentare

Moin,
sehr schöne Geschichte. Und ja, mutig war das. Ich habe Anfang der 80er eine Ausreise begleitet. Ein Freund hatte eine Ostberlinerin geheiratet, die Ausreise war genehmigt und ich habe den Umzugswagen gefahren. Allein die Dinge die ich dabei noch erleben durfte waren geeignet einen sehr ein zu schüchtern. Umso besser kann ich nachvollziehen wie es sich für einen Bürger der DDR angefühlt haben muss.

Ich habe das alles ja als Kind erlebt. Manches vielleicht auch noch nicht ganz verstanden - zum Glück. Einige unserer Freunde sind auch übergesiedelt. Bei jedem lief es etwas anders. Ob ich selbst so mutig wäre? Gut, dass das Geschichte ist!

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