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Mein Weg in die andere Welt...

Von Tanja Ludwig

 

Es ist schwer zu entscheiden, wo die Geschichte zu „meinem Weg“ beginnt, da sich der Weg meiner Berufung durch mein gesamtes Leben zieht. Zunächst klingt der Text wohl wie eine ganz banale Erzählung aus Kindertagen. Ein junges Mädchen zieht es in den Pferdestall und es wird infiziert vom bekannten Pferdevirus.

 

Tanja Ludwig und Smoke 

 

Infiziert vom Pferdevirus

 

Ja, so könnte mein Beitrag beginnen, doch steckt weitaus mehr dahinter, wie ich nach jahrelanger Selbstfindung heute weiß. Schon im Kleinkindalter konnte ich an keiner Pferdekoppel vorbeigehen, ohne nicht einmal stehen geblieben zu sein und diese wunderschönen, anmutigen Tiere genauer zu beobachten. Der Geruch und die Ruhe, die diese Tiere besaßen, ließen mich in eine „andere Welt“ tauchen. Grundsätzlich bin ich schon immer gerne in der Natur unterwegs gewesen, somit zog es mich schon damals, wann immer es möglich war, nach der Schule raus zu den Pferden – wo ich dann den Rest des Tages verbrachte. Ein eigenes Pferd kam für meine Eltern niemals in Frage.

 

Heimliche Pferdepflege

 

Als in meinem Heimatort in den neunziger Jahren ein Pferdestall errichtet wurde und zahlreiche importierte Westernpferde aus den Staaten einzogen, war es um mich geschehen. Kinder waren in den Stallanlagen solch hochkarätiger Pferde unerwünscht und so musste ich mich mit heimlichen Pflege- und Schmusetätigkeiten, welche die Bediensteten mir gestatteten, zufrieden geben. Es gab nichts, was wichtiger für mich gewesen wäre, als den täglichen Weg zu meinen vierbeinigen Freunden anzutreten. Durch den Umgang lernte ich so viel über diese sanftmütigen Wesen. Bei ihnen fand ich all das, was ich zu Hause nicht  fand. Ich erfuhr so viel Zuneigung und Dankbarkeit, wie es ein Mensch mir niemals zuvor gab. Da war sie immer noch, diese „andere Welt“.

 

Harte Arbeit für Reitstunden

 

Die Reitanlage wechselte den Besitzer und ich kam endlich in das Alter, in dem ich Reitunterricht nehmen durfte. Glücklicherweise zog ein Trainerpaar, mit wirklich sehr guten Pferden und Schulpferden, auf die Anlage. Meiner anknüpfenden Reitkarriere stand somit nichts mehr im Wege – dachte ich. Doch Reitstunden wollen bezahlt werden. Meine Mutter finanzierte mir die Grundausstattung von ein paar Reitstiefeln, einer Hose und einem Reithelm. Zudem noch die ersten zehn Reitstunden. Die Unterrichtseinheiten im Privattraining mit Schulpferden waren auch damals kein günstiges Vergnügen, so dass ich meine weiteren Reitstunden erarbeiten musste. Arbeit gab es genug. Also wurden täglich die ca. dreißig Kopfstücke und zehn Sättel gereinigt, Bandagen gewickelt, Stallgassen gefegt, Pferde gepflegt – alles was eine Achtjährige guten Gewissens erledigen konnte. Für nichts war ich mir zu schade, um meinen Traum, eine gute Reiterin zu werden, zu verwirklichen. Es dauerte nicht lange und die ersten Pflegepferde und Ponys standen in meiner Verantwortung. Es wurden unzählige. Erstaunlich, welches Vertrauen die Pferdebesitzer in solch ein junges Mädchen setzten.

 

Von Pferden lernen

 

Vielen Menschen ist es nicht bewusst, welche Entwicklung man als junger Mensch unter diesen Gegebenheiten durchläuft. Das Verantwortungsbewusstsein, die Zuverlässigkeit und die Selbstdisziplin sind keineswegs zu vergleichen mit denen der gleichaltrigen Kinder. Auf meinem weiteren Lebensweg begegneten mir sehr viele Pferde. Alle waren besonders und einzigartig. Jedes lehrte mich ein Stück von dem Wissen, was ich heute besitze und schenkte mir seine ganz persönliche Dankbarkeit über meine Fürsorge. Zwei von ihnen sind allerdings meine größten Lehrer gewesen. Eines der damaligen Importpferde, ein amerikanischer Painthorse Hengst mittleren Alters und mein immer noch bei mir lebender Wallach Golden Boy, ein damals sechsjähriger Spaniermix, der als Pflegepferd zu mir in die Ausbildung kam und heute in meinem Besitz ist. Zwei faszinierende Charaktäre!

 

Mein erstes eigenes Pferd

 

Erst mit achtzehn Jahren, am Ende meiner beruflichen Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, kaufte ich mir dann mein erstes eigenes Pferd. Gunsmoke Royal Magic, eine damals zweijährige amerikanische Quarterhorse Stute, aus der ich bereits eine weitere Stute gezogen habe, welche, ebenso wie ihre Mutter, bei mir lebt.

 

Von der Verwaltungsfachangestellten zur Trainerin

 

So viel zu meiner Laufbahn als pferdebegeisterte Heranwachsende. Doch wo bleibt der Werdegang? Nach meiner kaufmännischen Ausbildung arbeitete ich noch ein paar Jahre in diesem Beruf. Nebenher erteilte ich aufgrund meines angeeigneten Wissens Pferdetraining, Reitunterricht und begann Jungpferde auszubilden. Diese nebenberufliche Tätigkeit entwickelte sich rasant schnell in Dimensionen, die als Nebentätigkeit nicht mehr zu leisten waren. Es wurde Zeit sich zu entscheiden, in welche Richtung ich mein Einkommen verdienen wollte. Zwischenzeitlich gab es einen großen Lebenswandel. Ich musste eine Lösung finden, wie ich mein zukünftiges Leben weiterführen möchte. Alles stand Kopf und ich nahm mir lange Zeit, um mich selbst zu reflektieren, mein Leben zu durchdenken und den Weg zu gehen, den ich aus meinem tiefsten Innersten gehen wollte. Dies brachte eine wahnsinnige Selbsterkenntnis. Ich erfuhr, wer ich wirklich bin und konnte Entscheidungen sehr klar aus dem Bauch heraus treffen, sah Dinge bedeutend klarer und lebte bewusster.

 

Unbefristete Stelle für die Verwiklichung des Lebenstraums aufgegeben

 

Somit entschied ich mich dazu, meine unbefristete Arbeitsstelle beim Land Hessen aufzugeben und das Risiko einzugehen, meinen Lebensunterhalt vollständig mit Pferdetraining zu verdienen. Viel Zuspruch bekam ich von den Kritikern der Handelskammer, Steuerberatern und natürlich den Kollegen nicht. Von Aussagen wie „zu viel Konkurrenz“, „Brotloses Geschäft“ und „in Zeiten der Wirtschaftsflaute“...ließ ich mich allerdings nicht von meinem Vorhaben abschrecken.

 

Nur durch Pferde bin ich das geworden, was ich bin

 

Zu viele falsch verstandene und behandelte Tiere sah ich Tag für Tag. Fast mein ganzes Leben verbrachte ich nun mit diesen Tieren – nur durch sie bin ich der Mensch geworden, der ich heute bin. Niemals fügten sie mir Leid zu, waren unehrlich oder unberechenbar – ganz im Gegensatz zu den Menschen. Die Kunst lautlos zu kommunizieren ist einerseits was Wundervolles, auf der anderen Seite etwas Elendes. Würden sich die Tiere über Laute äußern können, ließe uns das oft die Ohren schmerzen, wenn wieder einmal nicht sachgemäß und unangemessen mit ihnen umgegangen wird. Über all die Jahre habe ich mir angeeignet, ihre Sprache zu sprechen, sie zu lesen und mit ihnen auf verständliche Weise lautlos zu kommunizieren. Somit entgeht mir kaum ein „lautloser Aufschrei“ eines Pferdes.

 

Mein Konzept hat sich bewährt

 

Meine Entscheidung, den Weg des Pferdetrainers und Reitlehrers einzuschlagen, beruht auf genau dieser Tatsache. Ich kann nicht allen Pferden helfen, aber ich kann zumindest einem Anteil der Menschen mein Wissen mit auf den Weg geben, wie sie ihr Pferd besser verstehen und ihre Beziehung stärken. Dies ist ein sehr großer Teil meiner Arbeit. Ebenso ist kein Pferd der Welt anatomisch als Reittier geboren. Durch gezieltes Reiten kann man es dem Pferd allerdings gesundheitlich und technisch sehr gut ermöglichen, einen Menschen zu (er-)tragen. Dies bedingt allerdings sehr viele aneinandergereihte Faktoren, die der Reiter mit sich führen oder erlernen muss. Auch in diesen Punkten bin ich sehr fokussiert. Dieses Konzept hat sich sehr schnell bewährt, so dass ich bereits im dritten Jahr meiner Selbstständigkeit über einen fast ausgebuchten Terminkalender verfüge und bedaure, dass die Woche nur 7 Tage hat.

 

Viele Zukunftspläne

 

Aufgrund meiner Selbstfindung über viele Jahre bin ich an meinem Ziel angekommen. Ich lebe und arbeite in der „anderen Welt“ und versuche vielen weiteren Menschen Einblicke in diese Welt zu vermitteln. In 2016 habe ich zehnjähriges Jubiläum meines Konzeptes TL Horsetraining. Für die Optimierung meines Betriebes habe ich noch viele Ideen und Maßnahmen, die ich in Zukunft umsetzen möchte, um das bisher Erreichte stetig aufzubauen.

 

Ein paar Infos zu mir

 

Und noch kurz etwas zu mir: Heute bin ich sechsundzwanzig Jahre alt und kann behaupten, dass ich wirklich zufrieden mit meinem Leben bin. Nicht zuletzt mit meiner Berufung Pferden zu helfen. Ich blicke gerne zurück auf vergangene Zeiten, male mir weitere Ziele für die Zukunft aus, bin zugleich aber verdammt glücklich im Hier und Jetzt – der „anderen Welt“.