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Mein Weg oder Mut neu zu beginnen....

Von Petra Oppawsky

 

Mein Leben war eigentlich rund, doch nach der Scheidung musste ich mit 50 Jahren neu beginnen. Original Bewerbungs-Beitrag unter: http://popp-gandenken.blogspot.com

 

 

Das Foto ist aus der letzten Ausstellung „Kunstspur in Essen“

 

Wie war das? Wollte ich nicht eigentlich mit 50 Jahren meine Bürotätigkeit aufgeben? Wollte ich mit 50 nicht nur noch kreativ sein und meine Arbeit ins Handwerk stecken? Alles andere sollte bereits rund sein, abgeschlossen und fertig. Wie in dieser Werbung – lach. Ihr erinnert euch sicher, wie dieser Mann seinen Freund mit einem strahlenden Lächeln diese Bilder auf den Tisch legt ... zack: „Meine Frau, meine Kinder, mein Hund, mein Haus, mein Boot.“ WOW ... Coole Nummer!

 

Das wollte ich auch ... und noch ein bisschen mehr. Wer will denn nicht noch mehr, seien wir mal ehrlich ;D

 

Da schwirren mir solche Bilder im Kopf herum, wie zwei alte Menschen Händchen haltend auf einer Parkbank sitzen und sich verliebt in die Augen sehen. Ach ... den Lebensabend mit einem geliebten Menschen verbringen. Wir waren 32 Jahre verheiratet ... Was sollte schon passieren?

 

Eigentlich wollte ich es doch so wie dieser Mann in der Werbung und das war doch alles ... ist das etwa zu viel?!

 

Ein Freund glaubte an mich und meine Fähigkeiten. Er organisierte für mich eine Ausstellung in einer Künstlerkneipe. Ach, wie schön ist diese Welt. Wie gut tut es, Arbeiten zu zeigen, die mir so viel Freude gemacht haben. Das ist meins. Genau das liebte ich.

 

Es ist eine große Freude, die Zeit mit den Herzensdingen zu verbringen. Die Kinder waren 14 und 17 Jahre alt, sie gingen den eigenen Weg. Das Haus war fast bezahlt und drum herum stimmte augenscheinlich auch alles. Ich wollte Malen, Schreiben, Tai Chi und Feng Shui ausüben, denn das ist das, was mir in die Wiege gelegt wurde, das ist meins. So malte ich wieder und schrieb an meinem Blog. Doch so wirklich wollte das in unserer Familie niemand. Und wenn unter meinen Händen eine Leinwand mit Farben gefüllt wurde, ein Gedicht in meinem Block entstand, eine kleine Geschichte zum Leben erweckt wurde, wenn ich Tai Chi übte, dann hatte man für mich nur ein müdes Lächeln. Ja, manchmal sprach meine Familie mir ein gewisses Talent zu, aber in Wirklichkeit war ich nur ein bisschen „spinnert“. Trotzdem hatte ich mich nicht beirren lassen und eine Ausbildung zur Tai Chi Lehrerin in Angriff genommen, diese bestanden und bald darauf in unserem Verein eine kleine Gruppe unterrichtet. Zeitgleich habe ich per Fernstudium ein Feng-Shui-Studium angefangen und beendet. Denn die Innere und Äußere gesundheitliche Lehre muss man als Lehrerin kennen. Sich auf eine Sache zu beschränken, schien mir nicht richtig.

 

Dann kam das, was mein Leben fast aus der Bahn geworfen hätte. Ich hatte es gewusst, lange schon ...  Aber wollte es nie wahr haben. Mein Mann und ich trennten uns nach 32 Jahren Ehe. Mit 15 Jahren hatte wir uns kennen gelernt, mit 18 Jahren hatte ich geheiratet, und jetzt war es zu Ende. Es ist bitter, aus einem Haus auszuziehen, das man ausgesucht, um das man gefeilscht und das man mit dem Namen „MEIN EIN UND ALLES, Mein Ziel des Lebens!“ betitelt hatte. Doch es ist leicht, federleicht, wenn man weiß, es ist nicht nur die Nacht, es ist auch ein neuer Tag. Plötzlich stand ich vor einem Scherbenhaufen. Mit 50 Jahren noch einmal neu beginnen und alleine. Was sage ich „neu beginnen“? Eigentlich stand ich wieder am Anfang. Am Anfang meines Lebens.

 

Ich saß in einem Appartement und heulte mir die Augen aus. Zwei Betten standen in dem Zimmer, ein Schrank und eine Spüle, das war`s. Das war alles, was mir geblieben war. Im Schrank hingen zwei Röcke, ein paar Shirts und eine Jacke. WUSCH - so schnell verändert sich ein Leben. Alle erzählten von diesem Kalender der Maya, darin hört die Zeitrechnung am 21.12.2012 auf. Ja, bei mir hörte die Zeitrechnung jetzt schon auf, und es war der 1.1.2010. So schnell kann es gehen. Auf einmal verändert sich die ganze Welt. Weil die Welt sich nicht mehr um dich dreht, sondern so, wie es tatsächlich ist, um sich.

 

Noch nie hatte ich für mich alleine gesorgt. Immer war es ein UNS. Immer war es ein WIR. Mit 18 Jahren verheiratet, sparen auf Auto, Urlaub, Eigentumswohnung, Kleingarten, Haus. Drei Schwangerschaften, zwei Jungs geboren, Vogel, Hase, Katze, Schildkröte und Hund versorgt. Von außen betrachtet hatten wir es geschafft. Doch jetzt stand ich mit meinem beschränkten Wissen oder – besser gesagt – mit einem halben Wissen über das Leben alleine da.

 

Was sollte aus meinen Träumen werden? Die Kinder waren bei meinem Mann geblieben, die Tiere auch. Konnte ich es ihnen verdenken? Nein, denn schließlich konnte ich kein Haus unterhalten. Wie sollte das gehen? Die beiden Jungs brauchten ein geregeltes Leben und nicht eines, das vielleicht nie mehr richtig auf beiden Beinen stehen konnte.

 

Der Zufall schenkte mir eine wunderschöne Altbauwohnung. Die Vermieterin, eine Perle, hat mich mit ihren Worten in schweren und einsamen Stunden oft aufgerichtet. In dieser Zeit entstanden viele Bilder. Bilder einer heimlichen Liebe, Träume und Sehnsüchte. Außerdem hatte ich ein Tagebuch geführt, in dem ich alles Erlebte verarbeitete und mit meinen Tränen besiegelte.

 

Mit viel Eifer und nach tausend Stunden Trauer nahmen meine Träume langsam wieder Gestalt an. Ich fing an, mein Leben neu zu sortieren. Eine Freundin gab mir eine Adresse. Sie suchen jemanden, der ein Kinderbuch illustriert. So geschah es, dass ich mit ein paar anderen Künstlern ein Kinderbuch illustrieren durfte. Das Leben hält seine Wunder für uns bereit, wir müssen nur lernen, zuzugreifen :)

 

In einer kleinen Galerie in meiner Straße hatte ich mich zum Malen angemeldet. Das Leben muss weiter gehen und meine Ziele sollten näher rücken. Nach dem Trennungsjahr wurde ich geschieden und ich bekam von meinem Ex-Mann mein Geld. Meine Abfindung des 32 Jahre geteilten Lebens. Meinen Traum von einem kleinen Haus oder von einer Eigentumswohnung wollte ich nicht fallen lassen. So habe ich nach etwas Passendem gesucht. Viele Wege sind meine Füße gelaufen in den umliegenden Städten. Ein Auto hatte ich nicht. Wie eine Verirrte sah ich mir Wohnungen und Häuser an. Sicher aber auch mit dem Auge einer Feng Shui Beraterin. Denn es sollte wohnlich sein, mein neues Zuhause. Wer weiß, vielleicht blieb ich ja nicht immer alleine. Vielleicht kamen meine Kinder zurück. Dafür wollte ich kämpfen. Vielleicht kam ja auch eine neue Liebe, denn in meinen Adern floss und fließt noch rotes Blut.

 

So hatte ich ein kleines, mein kleines, „Pipilangstrumpfhaus“ gefunden. Ein Haus, wie es meine Großmutter schon hatte. Genau so, in einer kleinen Siedlung, hatte ich mir mein weiteres Leben vorgestellt. Mit viel Optimismus hatte ich versucht, dieses Haus zu bekommen. Glaubt mir, das war kein einfacher Weg, aber es war geschafft. Das Haus wurde mein. Nun, nicht ganz ...  Irgendwie gehört es auch der Bank, aber jeden Monat, in dem ich es schaffe, alle Rechnungen zu bezahlen, macht es mich stolz.

 

Die Kinder sind jetzt wieder bei mir und der Hund. Erst vor ein paar Tagen habe ich einen Frosch im Teich meines Gartens gesichtet. Ich bin angekommen.

 

Wie Ihr auf meinem Blog sehen könnt, hatte ich bereits eine eigene Ausstellung in der kleinen Galerie und einmal im Jahr mit den Borbecker Künstlern "kurve", denen ich mich angeschlossen habe. Ich gebe in zwei Schulen eine Kunst-Handarbeiten-Tai Chi-Ballsport  AG. Und ich schreibe hier im Blog immer mal wieder eine meiner kleinen Geschichten auf. In der Galerie finden Lesungen statt. Elisa, die Galeristin, fördert die Kunst, und da dürfen Geschichten und Gedichte nicht fehlen. So hatte ich dann auch schon mal die Möglichkeit, meine Geschichten einem Publikum vorzulesen. Das war eine sehr schöne und herzliche Erfahrung. Noch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an die leuchtenden Augen denke und den Applaus, der meiner war.

 

Na, und weil mich ja Gesundheit immer schon beschäftigt, habe ich ein Fernstudium als Heilpraktikerin begonnen. Es soll eine Ergänzung zum Tai-Chi-Unterricht sein ... Der Kreis soll sich schließen.

 

Es ist nicht immer leicht, und viele Steine müssen noch beiseite geräumt werden. So kämpfen wir den normalen Kampf des Lebens. Schieben den Berg und halten den Mond. Krankheit, Arbeitslosigkeit meiner Jungs, der Sturm, der das Wasser immer wieder in unser kleines Haus schickt. Dann die Reparaturen, die sich anmelden. All das bringt mich oft an den Rand meiner Kräfte. Danke an meine Freunde, die sich immer wieder Zeit stehlen, um mich zu unterstützen und mich nicht alleine lassen.

 

Wie sagen wir hier im Ruhrpott: „Ärmel hoch gekrämpelt, los und durch!“  oder „Wer rastet, der rostet!“ ;D

 

Immer befindet sich ein Bild in Arbeit, manchmal auch zwei
und immer eine kleine Geschichte oder ein Gedicht.
So hinterlasse ich Spuren, meine Spuren.
Die Arbeit mit den Kindern in der Schule.
Kindern Freude in der Schule zu lernen, ist auch ein Herzenswunsch von mir.
Die Arbeit für die Gesundheit im Büro und im Verein.
In diesem Sinne ...

 

Verzweifel nicht, nimm die Karten des Lebens und spiele.
Spiele dein Spiel und versuche, immer wieder zu gewinnen.
Manchmal ist es Erfahrung, manchmal ein bisschen Geld.
Am schönsten ist es, Liebe zu gewinnen.
Liebe der Menschen, die dir im Herzen liegen.
Im Büro arbeite ich immer noch, von irgend etwas muss man ja leben ;D
Doch bin ich auch noch nicht am Ziel.
Ihr erinnert euch: zwei alte Menschen ... Hand in Hand. ;D