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Eine Reise um die Welt

Verlasse den festen Boden, um fliegen zu können

 

Von Olga Groenke

 

Der englische Frühling ist in vollem Gange und die warmen Sonnenstrahlen scheinen auf meinen Schreibtisch. Alles deutet auf das Wiedererwachen des Sommers nach dem kalten, nassen Frühling hin und so ist auch die Stimmung im Büro. Die Kolleginnen plaudern fröhlich von ihren häuslichen Erlebnissen des vergangenen Wochenendes und tuen ihre Vorfreude auf anstehende Pläne kund.

 

Olga Groenke

 

Auch ich hätte eine Menge von meinen Plänen zu berichten, aber das ahnen sie noch nicht. Ich schweige und starre schon seit einer Weile meinen Bildschirm abwesend an, während ich die Geräuschkulisse an mir vorbei rauschen lasse. Innerlich überkommt mich ein Gefühl von herzzerreißender Freude, das ich nur mit größter Mühe vor den Kolleginnen verbergen kann.

 

Als würde ich am Rande eines Abgrundes stehen, nach unten blicken und den Moment ungeduldig abwarten bis meine Flügel sich endlich ausbreiten und ich mich in den Freiflug stürzen kann. 

 

Mein Kündigungsschreiben leuchtet mir vom Bildschirm entgegen.

 

Die Entscheidung ist getroffen. Ich kündige. Ich kündige den Job, in den ich fünf Jahre meines Lebens investiert habe. Angefangen als eine befristet angestellte Praktikantin hatte ich mich in den vergangenen Jahren die Karriereleiter hochgearbeitet, um meine Position im Unternehmen immer fester zu verankern und habe dabei jede Menge gelernt. Mein Team ist zu meiner Familie geworden, das mir respektvoll und unterstützend über all die Jahre hinweg zu Seite stand. Ein besseres Team – kaum vorstellbar.

 

Doch nun, mit der Kündgung in der Hand, schreite ich mutigen Schrittes zum Büro meines Chefs. Ich lasse mir die Aufregung nicht anmerken, obwohl ich mich in einem schüttelfrost ähnlichen Zustand befinde. Ich fange unkonventionell an. «Joe, ich habe jemanden kennen gelernt.», sage ich zu dem Chef während er mich schmunzelnd und verwundert ansieht. «Und ich werde mit ihm eine Weltreise machen!»

 

Die Freude strahlt mir aus dem Gesicht und ist ansteckend. Joe schweigt, ich fahre fort: «Mittlerweile weißt du, dass meine absolute Leidenschaft das Reisen ist. Allein in den letzten sechs Monaten habe ich fünf Mal das Land verlassen, um neue Länder zu bereisen, Sonne zu tanken und neue Leute zu treffen.

 

Ich will die Welt erkunden und die  schönsten, einsamsten, wildesten Ecken dieser Erde finden. Eine Weltreise ist schon immer ein nicht-ausgesprochener Traum von mir gewesen und nun habe ich jemanden getroffen, mit dem ich es gemeinsam machen kann.

 

Ich werde mir ein Jahr lang Zeit nehmen den Globus zu umrunden, um danach nach Deutschland zurück zu kehren. Ich gehe, und werde nicht mehr nach England zurück kehren.», schließe ich emotionsgeladen ab und merke wie sich meine Augen mit Tränen füllen.

 

Es ist ein Moment der Erkenntniss wie viel hier wirklich auf dem Spiel steht, denn es ist nicht nur ein gut bezahlter Job, den ich mit dieser Entscheidung aufgebe. Es sind liebgewonnene Menschen, ein eingelebtes zu Hause, ein enger Freundeskreis – alles einzigartige Menschen, aus dem Leben derer ich damit vielleicht für immer verschwinde. Es ist der Moment, in dem ich in den Abgrund springe und noch keinen Wind in meinen Flügeln habe.

 

Ohne festen Boden unter den Füssen und in nostalgischer Gewissheit, dass ich dieses schöne Kapitel meines Lebens hiermit abschließe, öffne ich ein spannendes Neues.

 

Ohne jegliche Zweifel, aber mit Beklommenheit vor der ansteheden Ungewissheit überreiche ich mein Schreiben.

 

Und tatsächich gibt es viele Gründe, warum das neue Kapitel sich als ein Kurzes herausstellen könnte. Zumal ich meinen Reise- und Lebenspartner erst seit knapp vier Monaten kenne. Es drängen sich negative Gedanken und Ängste auf, die schon viele andere Menschen vor der Erfüllung ihres Traums abgehalten haben: Habe ich denn genug Geld!? Was ist mit meinen Freunden und meiner Familie!? Was soll ich tun wenn ich zurück komme!? Und viele andere Ausreden, die mir einfallen – alles nur um nicht aktiv werden zu müssen. Um diesen Gedanken entgegen zu wirken wird recherchiert, gerechnet, geplant und radikal gespart bis der anfänglich scheinbar unerreichbare Traum tatsächlich zum Greifen nah ist. Alle Ängste haben sich  aufgelöst.

 

Nach monatelanger Planung geht es endlich los. Am Tag der Abreise, so fühlt es sich an, bin ich der wohl glücklichste Mensch auf Erden. Und wenn ich kurz inne halte, kehrt dieses beflügelnde Gefühl zurück, auch Monate später, in den wildesten, schönsten, einsamsten Ecken dieser Welt.

 

Diese Momente erinnerten mich wieder daran, dass es gut ist zu riskieren, um dem eigenen Traum aktiv zu folgen. Loszulassen, sich aus den eingelebten Umständen lösen, sich dem Neuen öffnen und die eigenen Fähigkeiten zu entfalten.