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Kipepeo Clothing

Von Martin Kluck

 

Wie die Zeichnung eines Schulkindes aus Tansania zum Grundstein eines einzigartigen Projekts wurde

 

Nach mehreren Monaten als Grundschullehrer an einer Schule in Tansania wollte Martin Kluck auch nach seiner Rückkehr nach Deutschland etwas verändern und startete ein Projekt, das sein und das Leben vieler anderer nachhaltig geprägt und verändert hat.

 

Kipepeo-Clothing bedruckt fair gehandelte T-Shirts mit Motiven, die im regulären Schulalltag an Grundschulen in Tansania entstehen. Durch den Verkauf werden die Schulen durch die Bezahlung von Schulgebühren, Schulutensilien, Essen und Verpflegung sowie den Bau neuer Schulgebäude unterstützt.

 

Martin Kluck T-Shirt

 

Karibu liebes ERGO-Team,

 

„Vom BWL-Studium zum Fashion-Blog“ oder den „9-to-5 Job gegen den lang erträumten Online-Shop eintauschen“, so steht es auf eurer Webseite und beim Lesen dieser beiden Sätze war die Bewerbung zu „Dein Weg“ in Gedanken bereits geschrieben.

 

Mein Name ist Martin Kluck. Ich bin 32 Jahre alt und komme aus Stuttgart. Mein Weg begann im Jahr 2008 im Osten Afrikas, an einer kleinen Grundschule im Stadtteil Olasiti Garden in Arusha, Tansania. Bevor das Abenteuer Afrika begann, arbeitete ich als Groß- und Außenhandelskaufmann und hatte begonnen in Wochenendkursen BWL zu studieren. Der erste Teil des Studiums war ge-schafft und die Frustration im Alltagsjob groß. Es war ein Arbeitstag wie jeder andere, als mich mein bester Freund Tim, sichtlich aufgeregt, anrief und meinte: „Hey, dir hat es doch letztes Jahr im Ur-laub in Südafrika gut gefallen. Wie wär’s denn mal mit Ost-Afrika?“ Bevor ich etwas sagen konnte, fuhr er fort: „Meine Universität ermöglicht uns für drei Monate nach Tansania zu gehen, um dort in verschiedenen sozialen Einrichtungen zu arbeiten. Es ist ein Pilotprojekt und wir brauchen sechs Leute, die mitkommen. Im Moment fehlt uns noch eine Person, damit das Ganze stattfindet, und du hast doch kürzlich gemeint, dass dein Job dich auffrisst.“

 

Tansania – Kilimanjaro, König der Löwen, liegt irgendwo im Osten Afrikas. Mehr wusste ich zum damaligen Zeitpunkt nicht über das Land, das in den folgenden Jahren zu einer zweiten Heimat für mich werden sollte. Schon als Kind träumten Tim und ich von Abenteuer, wilden Tieren und hohen Berggipfeln – somit blieb nur eine Frage: „Okay, und was mache ich dann dort?“ Tims Antwort war knapp und wenig präzise: „Du bist jetzt pro forma Sozialpädagogikstudent und arbeitest in einem Waisenhaus für HIV-Waisen oder in einem Kindergarten.“

 

Ich kündigte noch am selben Tag und flog einige Wochen später, am 03.01.2008, nach Tansania. Die Euphorie war genauso groß wie die Frage, ob diese Entscheidung wohl die Richtige war. Das Waisenhaus freute sich über meinen Besuch, doch leider gab es nicht wirklich eine sinnvolle Arbeit, der ich vor Ort nachkommen konnte, da sich die Kinder in Pflegefamilien befanden und nur am Wochenende in der Einrichtung waren. Ich verließ das Waisenhaus und ging in eine nahe gelegene Kirche. Es ist nicht so, dass ich besonders gläubig wäre, aber der laute Gesang und das Klatschen machten mich neugierig.

 

Ich gesellte mich zu den Leuten, denen der „Mzungu“, der „weiße Mann“ in der Landessprache Kiswahili, natürlich auffiel und nach kurzer Zeit wurde ich von Mecky, einem Sänger aus dem Chor, angesprochen. Ich erzählte ihm, warum ich hier sei, und er berichtete mir, dass er gemeinsam mit seiner Frau eine kleine Grundschule in Olasiti Garden, Arusha, eröffnet hatte und noch einen Englischlehrer suche. An der Schule wurde nur Englisch gesprochen und, so versicherte er mir, wäre es für mich möglich, die vierte Klasse zu unterrichten, da die Kinder bereits gute Vorkenntnisse besaßen. Ich nahm Meckys Angebot an und begann an der „Mecsons Primary School“ zu unterrichten. Aus den ursprünglich geplanten drei Monaten Aufenthalt wurden fünf Monate und aus den Kindern und Lehrern wurden Freunde.

 

Umarmung in Tansania

 

An der Schule wurden zum damaligen Zeitpunkt 80 Schülerinnen und Schüler unterrichtet und sie bestand aus einem Schulgebäude. Es gab zu wenig Platz für die Schüler und daher wuchs bei mir der Gedanke, die Schule auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland zu unterstützen. Zu einer Schülerin an der Mecsons School konnte ich im Laufe meines Aufenthalts eine besondere Freundschaft aufbauen: Mit der siebenjährigen Abigail teilte ich mir nicht nur den täglichen Weg zur Schule und das eine oder andere Fußballspiel in den Pausen, sondern auch die Begeisterung für das Zeichnen. So betrachtete Abigail oft meine Zeichnungen und Skizzen, die ich in meinem Tagebuch festhielt.

 

Am Tag meiner Abreise schnappte sich Abigail mein Tagebuch und verschwand. Einige Minuten später kam sie wieder, legte es auf den Tisch und umarmte mich mit ein paar Tränen in den Augen. Auf der Heimreise blätterte ich im Tagebuch und fand einen Briefumschlag, gefaltet aus der rausgerissenen Seite eines Schulheftes, und darauf die Zeichnung eines Männleins mit riesigem Kopf ohne Arme und daneben die Worte „Love you“.

 

Nach einigen Monaten erfuhr ich, dass Abigails Eltern die Schulgebühren nicht mehr bezahlen konnten und sie von der Schule nehmen mussten. Nach Rücksprache mit Mecky, dem Schulleiter, versprach ich, dass ich die Gebühren bezahlen würde und begann neben dem Studium auf der Baustelle zu arbeiten. Zu dieser Zeit blätterte ich in meinem Tagebuch und stolperte wieder über Abigails Zeichnung. Ich druckte die Zeichnung auf ein T-Shirt, als Erinnerung und Motivationshilfe, warum ich zusätzlich auf der Baustelle arbeitete. Doch diese Zeichnung bewirkte weit mehr.

 

An einem Wochenende in Ischgl erzählte ich die Geschichte hinter dem T-Shirt Motiv einem Barkeeper in Ischgl. Dieser bot mir 100 Euro für ein solches Shirt, wenn ich ihm versprechen könne, dass das Geld dem Mädchen, der „Designerin“ in Tansania zu Gute kommen würde. In den darauffolgenden Wochen und Monaten beschäftigte ich mich intensiv neben dem Studium mit verschiedenen Drucktechniken, kaufte von meinem Baustellengeld eine Transferdruckmaschine, einen Schneideplotter und fünf weiße T-Shirts für insgesamt 300 Euro und begann den Keller meiner Eltern zur Druckwerkstatt umzubauen.

 

Der Schulleiter schickte mir weitere Zeichnungen, die die Schulkinder während des Unterrichts angefertigt hatten, und so fanden Elefanten, Giraffen und weitere Tiere der Serengeti ihren Weg auf T-Shirts. „Kipepeo“ – Schmetterling – das erste Wort auf Kiswahili, das mir die damals 9-jährige Sharon in mein Tagebuch schrieb, sollte zum Namen dieses einzigartigen Projekts werden.

 

Logo Kipepeo Clothing 

 

Seitdem hat sich mein anfängliches „Projekt“ zu einem beständig wachsenden Unternehmen entwickelt. Die Druckwerkstatt im elterlichen Keller wurde irgendwann zu klein und ein eigenes Büro in Stuttgart Feuerbach angemietet. Die T-Shirts werden mittlerweile fairzertifiziert aus lokal angebauter Bio-Baumwolle in Tansania hergestellt, in Stuttgart bedruckt und über unseren Online-Shop verkauft. Seit der Gründung von Kipepeo-Clothing betreibe ich dieses Unternehmen ehrenamtlich in meiner Freizeit, neben meinem „normalen“ Job gemeinsam mit meiner Freundin und Freunden.

 

Unsere Anstrengungen zeigen Erfolge: In den letzten 6 Jahren konnten mit den Erlösen der verkauften Kipepeo T-Shirts Schulgebühren vieler Kinder bezahlt, Schulutensilien bereitgestellt und neue Schulgebäude gebaut werden. Im Jahr 2014, am 26. September, machte Abigail ihren Abschluss an der Mecsons School, die inzwischen aus 5 Schulgebäuden besteht und an der über 200 Kinder unterrichtet werden.

 

Asante sana – vielen Dank!

 

Unterschrift Martin Kluck

 

Martin Kluck

 

 

Martin Kluck Paket

Martin Kluck Gruß