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Gleiche Chancen für alle Kinder dieser Welt - das ist mein Traum!

Von Mara Bossert

 

Eine einzelne Frau . . . . über 50 . . . mit höchst begrenzten eigenen finanziellen Mitteln . . . und der Plan ein Kinderdorf und Bildungszentrum für Waisenkinder in Uganda zu bauen . . . ???

 

Verrückt – oder?

 

Wie es dazu kam:

 

„Kein Zeuge ist so gut, wie die eigenen Augen“, sagt ein äthiopisches Sprichwort und das stimmt auch. In mehr als 30 Jahren habe ich viele Länder dieser Erde – besonders Entwicklungsländer in Afrika , Asien und Lateinamerika -bereist und dabei immer wieder festgestellt, dass Mädchen überall benachteiligt sind, selten zur Schule gehen dürfen, keine Ausbildung erhalten, aber Frauen die Hauptlast der Einkommenssicherung für die Familie tragen müssen.

 

Mara Bossert

 

Der Zorn über diese Ungerechtigkeit ließ mich zunächst eine Patenschaft für ein Mädchen über das Kinderhilfswerk Plan International übernehmen. Es wurden mehrere Patenschaften daraus – dann engagierte ich mich zusätzlich ehrenamtlich für die Ziele des Kinderhilfswerks und reiste in verschiedene Länder Ostafrikas um mir diverse Projekte anzuschauen – natürlich immer auf eigene Kosten.

 

Je mehr ich über diese Dinge wie fehlende Geburtsurkunden und den Konsequenzen daraus und die Benachteiligung von Mädchen, die Stigmatisierung von Aids Waisen und den Memorybooks, die aidskranke Mütter für ihre Kinder schreiben erfuhr, desto klarer wurde für mich, dass ich mehr engagieren muss. Ich fuhr mit der geschäftsführenden Direktorin von NACWOLA (nationale Komitee von Frauen die mit Aids leben) in einige Dörfer und besuchte z.B. reine Kinderhaushalte. In diesen Kinderhaushalten war beispielsweise ein 12-jähriger Junge Haushaltsvorstand für seine 3 kleineren Geschwister. Seine Aufgabe war es, täglich etwas zu essen heranzuschaffen und auch zusammen mit den Kleinen zum Wasserholen zu gehen. Ein Schulbesuch? Ausgeschlossen! Es ist weder Geld für die Schulgebühren noch für die Schuluniform und die Schulmaterialien vorhanden. Wie wird die Zukunft dieser Kinder aussehen?

 

Der größte Schatz, den diese Kinder hatten, waren die Memorybooks, die ihre verstorbenen Mütter ihnen hinterlassen hatten. Die Mütter schreiben ihre Familiengeschichte, ihre Kindheitserinnerungen oder auch Zukunftswünsche auf und setzen sich gemeinsam mit ihren Kindern intensiv mit ihrem bevorstehenden Tod auseinander. In Form von Geschichten, Märchen und Liedern werden Familienerinnerungen, Werte und Traditionen vermittelt.

 

Diese Besuche nahmen mir regelmäßig den Atem.

 

Uganda ist das Land der Kinder – etwa 52 % der Bevölkerung sind jünger als 14 Jahre und es gibt alleine ca. 2 Millionen Aids Waisen – viele davon sind Straßenkinder!

 

Was also soll ich tun?

 

 

Privat versuchte ich immer ein wenig Geld zu sparen oder im Bekanntenkreis zu sammeln um diesen Kindern hin und wieder etwas Unterstützung zukommen zu lassen. Für ein Mädchen konnte ich die Schulgebühren und die notwendigen Schulsachen zahlen – zu mehr reichte mein Geld nicht.

 

Mara Bossert

 

Einige Aids Witwen produzieren wunderschönen Papierschmuck – dieser ist typisch für Uganda. Ich kaufte einer Gruppe Aids Witwen Schmuck ab, verkaufte diesen in Deutschland und brachte das Geld zurück nach Uganda – meistens um Schulgebühren für einige Kinder zahlen zu können. Ein Kreislauf, der sich bald bewährte.

 

Im Laufe der Zeit lernte ich immer mehr sehr starke und engagierte ugandische Frauen kennen. Immer häufiger diskutierten wir darüber, ob wir ein eigenes Projekt ins Leben rufen können.

 

Ausgeschlossen . . . wie soll ich das Geld dafür zusammen bekommen ? Wochenlang schwirrten die Gedanken in meinem Kopf. . . . Begriffe wie *Größenwahn* und *die vielen Waisen haben es verdient, dass du es zumindest versuchst!* wechselten sich in schöner Regelmäßigkeit ab.

 

Tage-und Nächtelang habe ich im Internet recherchiert – mir diverse Projekte angesehen und mein bisschen erworbenes Wissen genutzt und ein Konzept für ein Kinderhilfsprojekt mit besonderem Augenmerk auf die gleichberechtigte Förderung von Mädchen erarbeitet. Dieses schickte ich dann erwartungsfroh an eine ugandische junge Frau, die für ein internationales Kinderhilfswerk arbeitet. Nach ein paar Stunden hatte ich die Antwort: *Das Konzept ist großartig ! Bis ins Detail durchdacht und alle wichtigen Dinge berücksichtigt. Gratulation ! Es gibt allerdings einen Haken: das Konzept passt nicht zu Uganda* Na Prima ! Ok -eigentlich hatte ich ja fast damit gerechnet. Beth, so heißt diese engagierte junge Frau ergriff auch gleich die Gelegenheit und schrieb das Konzept kurzerhand um. Nun hatten wir also ein Konzept . . . aber wie können wir das umsetzen?

 

Ich müsste einen Verein in Deutschland gründen – so könnten wir möglicherweise Spenden sammeln und Unterstützer finden. . . .

 

Natürlich kamen auch da immer wieder Zweifel: Wer soll denn einen ganz jungen Verein überhaupt unterstützen ? Es gibt doch schon so viele !! Außerdem braucht man mindestens 7 Gründungsmitglieder – die muss man erst mal finden . . .und außerdem -eigentlich ist Vereinsarbeit so gar nicht mein Ding. . . .

 

Trotz aller Zweifel habe ich es versucht und zusammen mit einigen Freundinnen und meinem Ehemann am 13.01.2013 den Verein *Kwa Moyo – Hilfe mit Herz für Kinder in Uganda e.V.* gegründet. *Kwa Moyo* ist ein Begriff aus der Sprache, die ganz Ostafrika verbindet und heißt *mit Herz*. Wobei man es nicht ganz genau übersetzen kann, denn das Wort *Moyo* steht auch für *Seele* und *Gefühl*

 

Mara Bossert

 

Also haben wir uns mit Herz, Seele und Gefühl daran gemacht, das Konzept mit Leben zu erfüllen.

 

Bei dem ersten Besuch des neuen Vereinsvorstands in Uganda fiel uns quasi ein 25.000 m² Grundstück in den Schoß . . . und dass auch noch zu einem Preis, der mehr als fair war. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man weiß, dass Chinesen und Inder seit Jahren Höchstpreise für Grundstücke zahlen.

 

Mara Bossert

 

Mein Traum von einem Kinderdorf und einem Bildungszentrum für Waisen, Halbwaisen und sehr bedürftige Kinder wird langsam, aber bestätig zur Realität. Glücklicherweise konnte ich in relativ kurzer Zeit einige Menschen mit meinem Traum infizieren.

 

Das führt dazu, dass wir bereits Anfang Februar 2015 -zu Beginn des neuen Schuljahres -den Schulbetrieb aufnehmen können.

 

Mara Bossert

 

Zwar zunächst mit einem einzigen Klassenzimmer, aber wir gehen in kleinen Schritten -im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten – voran.

 

In den nächsten 15 Jahren sollen auf unserem Gelände folgende Dinge entstehen : 

  • 1 Kindergarten und eine Vorschule 
  • Die Kwa Moyo Primary School 
  • Eine Mehrzweckhalle incl. Küche und Lagerräume 
  • Ein Ausbildungszentrum für handwerkliche + kaufmännische Berufe 
  • 6 kleine Waisenheime, in denen jeweils 16 Kinder mit einer *Mama* zusammenleben 
  • Eine Gesundheitsstation 
  • Ein Appartementhaus für die Mitarbeiter 
  • Ein kleiner Farmbetrieb (möglicherweise auf einem Nachbargrundstück)

 

Mara Bossert

 

Ich habe meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich mit ersten Schritt auf den Weg gemacht -trotz aller Zweifel und der Angst zu versagen.

 

Mara Bossert

 

Nun habe ich zu meinem großen Glück einige Menschen gefunden, die diesen Weg mit mir gemeinsam gehen. . . . auch, wenn die Vorsitzende unseres ugandischen Schwestervereins *Kwa Moyo – empowering children with help from the heart* und ich nächtelang am PC sitzen und chatten oder skypen um viele wichtige Dinge zu besprechen und um möglichst heil alle Klippen zu umschiffen und auch wenn wir manchmal nicht wissen, woher das Geld kommen soll, dass wir in den nächsten Tagen brauchen – irgendwie wendet sich (fast) immer alles zum Guten – wenngleich auch oftmals in der sprichwörtlich letzten Sekunde.

 

Langsam aber sicher:

 

Ich gehe diesen Weg weiter und mein Traum wird wahr!

 

Das ist das Motto *unserer* Kinder in Uganda . Sie haben wirklich jede Unterstützung verdient !

 

Mara Bossert