Über das Blog

„ERGO ganz nah“ ist das Corporate Blog der ERGO Group AG.

Kontakt

Sie haben eine Frage zu „ERGO ganz nah“? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

RSS-Feeds

RSS Feed Icon Immer aktuell informiert: Abonnieren Sie unsere Themen als RSS-Feeds.

RSS-Feeds anzeigen

Unsere Marken

       

       

 

Empfehlen Drucken

Mein Weg zu Lokaldesign

Von Katharina Roedelius

 

Alle sagten: „Das geht nicht.“ Dann kam eine, die wusste das nicht und hat es einfach gemacht. Diejenige war ich… Über die Gründung eines Designmöbelunternehmens, den Traum von Selbstverwirklichung und warum Mut auch e(r)goistisch ist.

 

Katharina Roedelius

 

 
Das ist doch nicht dein Ernst! Du hast doch gar kein Geld. Du hast einen sicheren Job. Du hast auch ganz was anderes studiert. Du hast noch nicht genug Erfahrung. Du brauchst Struktur. Und außerdem werden 9 von 10 Gründungen nichts. Mach das mal nicht.

 

Das waren nur einige wenige Aussagen meines Freundeskreises zum Thema „Katharina macht sich selbständig“. Monologe in Richtung „Was macht mich glücklich“, „Was ist mein Lebenskonzept“ und „Was möchte ich innerhalb der Gesellschaft beitragen“ wurden konsequent überhört.

 

Der innere Kampf

 

Egal! Ich wollte aus meiner Unternehmensberaterhölle raus und mich meiner Leidenschaft widmen! Auch ohne Rückhalt aus dem Freundeskreis. Meine Mama hatte mich 29 Jahre unterstützt und hat versucht, mir, obwohl wir immer nur zu zweit waren, alles zu ermöglichen. Sie würde es auch nun wieder tun.

 

Ich wollte das tun, was mich glücklich macht. Ich will am letzten Tag meines Lebens sagen können: „Ja, das war gut, was ich da gemacht habe!“ Und das völlig unabhängig davon, wann dieser Tag kommt. Das ist im Übrigen eine sehr egoistische Einstellung. Den Mut für so ein Vorhaben aufzubringen – ohne Rücksicht auf Verluste. Wer stützt mich, wenn‘s schief geht. Wer bezahlt meine Miete? Wie werde ich dann auf dem Arbeitsmarkt zurechtkommen? Aber ich glaube an meinem Unternehmergeist. Und ich glaube auch, dass viele Menschen diesen nicht mitbringen. Wenn Talente da sind, dann müssen diese auch genutzt werden. Sonst funktioniert das System nicht. 

 

Meine Leidenschaft

 

Ich bin Shopping begeistert. Allerdings gehe ich an Kleiderstangen, Schuhregalen und Taschen schnurstracks vorbei. Möbel sind und waren schon immer meine Leidenschaft. Dafür gebe ich meinen letzten Euro. Und wenn der nicht reicht, baue ich auch gern selber. In Baumärkten kann ich Stunden verbringen. Dann kam wieder einer dieser Tage, an dem ich mich auf einem dieser unsäglichen arbeitgeberorganisierten Trainings zum Thema Stressmanagement wiedergefunden habe. „Was entspannt Dich am meisten?“ war die Frage. „Möbel bauen“, meine Antwort. „Was stresst Dich am meisten?“ „Die meisten meiner Kollegen, das Ellenbogenverhalten, die allgemeine Arbeitsatmosphäre.“ Am nächsten Tag habe ich gekündigt. Das kostete all meinen Mut und meine Waghalsigkeit, aber bereut habe ich es bis heute nicht.

 

Mein Weg

 

 
6 Monate später hatte ich wieder eine Wohnung in meiner Traum- und Heimatstadt Hamburg, eine fantastische Geschäftspartnerin (wir kennen uns aus dem Studium) und einen bewilligten Gründungszuschuss.
Und heute – 4 Jahre später – haben wir Lokaldesign. Lokaldesign ist eine Vertriebs- und Verkaufsplattform für Möbel und Einrichtungsaccessoires von Jungdesignern. Das Herz bildet unser Concept Store im Hamburger Schanzenviertel. Hier verfolgen wir unsere Philosophie: Wir glauben an Designtalente, Möbel und gute Ideen. Bei Lokaldesign finden wir Designtalente und besondere Möbelideen, die wir ausstellen und verkaufen. Dabei legen wir besonderen Wert auf eine lokale Produktion. Und wir kooperieren mit Designhochschulen, um den Design-Nachwuchs zu fördern und einzigartige Produktneuheiten in Deutschlands Wohnzimmer zu bringen. 

 

Der Weg hierhin war schwer und er ist es immer noch. Die Banken haben gelacht. Die Kombination aus Kunst/Kultur/Design und Handel hat noch nicht mal mehr Platz auf allen Risikomatrizen dieser Welt. Es erforderte sehr viel Durchsetzungsvermögen und Durchhaltewillen. Es gab Tage, da hat das Selbstbewusstsein nur noch durch den nächsten Termin gehalten. Mit allen Steinen, die im Weg lagen, hätte ich einen eigenen Laden bauen können.

 

Zu Beginn gab es keine finanzielle Unterstützung. Da halfen auch keine Power-Point-Präsentationen und überzeugende Argumente. Doch wenn du willst, dass dein Traum in Erfüllung geht, musst du die Extra-Meile gehen, du musst kreativ und durchsetzungsstark sein und darfst dich nicht beirren lassen. Wir haben dann bei der Stadt vorgesprochen und tatsächlich eine kleine Förderung bekommen. Zudem haben wir uns alles Geld zusammen geliehen, was wir kriegen konnten. Und haben damit in einer Lagerhalle im Industriegebiet den ersten Laden eröffnet. Mit dieser Vorarbeit konnten wir weiter überzeugen und haben 6 Monate später einen neuen, jetzt aktuellen, Laden und auch den Rückhalt einer Bank bekommen.

 

Und wie geht es weiter?

 

Im kommenden Jahr soll der nächste große Schritt passieren – eine weitere Filiale soll her. Ich arbeite immer noch einige Tage im Monat bei einer Unternehmensberatung, da Lokaldesign immer noch viel frisst. Das Preisgeld würde mich privat finanziell wahnsinnig entlasten und ich könnte mich zu 100% auf den nächsten Schritt konzentrieren.

 

Was ich noch sagen wollte

 

Bei allem Mut, Schweiß, Angst und viel Arbeit bin ich aber jeden Tag stolz auf das, was ich bereits geschafft habe. Mir stellen viele Menschen die Frage: „Und? Würdest du es wieder tun? Vermisst Du nicht jeden Monat dein festes Gehalt, deine Urlaubstage, Wochenenden?“ Darauf kann ich nur antworten: „Nein, nicht einen einzigen Tag! Ich würde es immer wieder so machen. Ich bin stolz auf mich, lerne jeden Tag unglaublich viel, bin absolut selbstbestimmt und gebe mit diesem Konzept Designern eine Möglichkeit, vielleicht irgendwann von ihren Möbelentwürfen leben zu können. Wir stärken den Produktionsstandort Deutschland und geben Möbelliebhabern die Chance, Individualität zu bezahlbaren Preisen in ihr Zuhause zu holen. Das macht mich glücklich!