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Glückskind ‐ Mein Weg zum eigenen Gästehaus

Von Elisa Bracht

 

Was würdest Du tun, wenn Du plötzlich krank wirst und Dein ganzes vorheriges Leben in Frage gestellt wird? Was würdest Du tun, wenn auch Dein Haus am 2. Dezember 2013 vollständig abgebrannt wäre? Was würdest Du tun? Ich weiß es nicht. Aber ich kann Dir erzählen, was ich getan habe.

 

Elisa Bracht

 

Anfang 2013 hatte ich das Gefühl, mein Leben würde rückwärts laufen bis es schließlich stillstand. Gefangen in einer tiefen Depression ging ich durch die Hölle.

 

Und nicht nur ich. Auch meine Familie leidete unter der Tatsache, dass ich mich völlig verändert hatte. Früher war ich aufgeschlossen, abenteuerlustig und wenn möglich auf Reisen durch die Welt.

 

Meinen ersten Backpack bekam ich zu meinem 16. Geburtstag und seit dem stand mir die Welt offen. Ich reiste mit 16 durch Europa, mit 19 durch Australien und Südostasien. Ich reiste in Ägypten, Marokko, Russland, Israel…

 

Aber plötzlich wollte ich von all dem nichts mehr wissen. Ich war nur noch erschöpft und der Gedanke, mein Auslandssemester in Peru (Lima) antreten zu müssen, bereitete mir Bauchschmerzen.

 

Ich fotografierte nicht mehr, mein Klavier stand Monate unberührt und eingestaubt in meinem Zimmer. Was war passiert?

 

Warum hatte ich keinerlei Empfinden mehr und woher kam diese plötzliche Lebensangst? 

 

Ich konnte mir die Frage lange nicht beantworten. Schließlich war es so weit, dass ich mir mein  Leben nehmen wollte, weil ich nichts mehr von der Energie und Lebenslust spürte wie früher.

 

Ich musste selbst erkennen, dass ich am Ende war und in einer heftigen Depression steckte.

 

Das für sich zu begreifen, war schon ein großer Schritt und der erste aus der Depression heraus. Ich erkannte langsam, dass wie ich mich fühlte nichts mit dem zu tun hatte, wer ich eigentlich war.

 

Die Ärzte erkannten dann, auch wenn fast zu spät nach mehr als 9 Monaten, im Februar 2014, dass eine extreme Unterfunktion der Schilddrüse für meine Depression verantwortlich war und mir konnte endlich mit Medikamenten geholfen werden.

 

Am 2. Dezember 2013 nachts 3:30 Uhr wurde Feuer im Restaurant unter meiner Studenten WG in Lüneburg gelegt. Das Haus brannte völlig ab. Es war nichts mehr zu retten. All die Reisetagebücher der vergangenen Jahre, Fotoalben aus der Kindheit, Laptop mit all den Studienarbeiten….verloren.

 

Ich stand vor dem Nichts und wusste nicht, ob ich mir zuerst neue Socken oder eine neue Zahnbürste kaufen sollte. Im Kampf mit Depression und nach einer längeren Auszeit vom Studium hatte ich endlich begonnen, wieder zu studieren und musste nun sehen, wie all meine Aufzeichnungen und Arbeiten verbrannten.

 

Spätestens nach dem Brand war ich an dem Punkt, mein Leben völlig zu überdenken.

 

Ich stellte mir sehr oft die Frage, was brauche ich um glücklich zu sein und wie sieht der Lebensweg aus, den ich gehen möchte. Wenn man einmal alles Materielle verloren hat, stellt man spätestens fest, dass materielle Dinge nicht glücklich machen.

 

Ich beschloss kurzer Hand, eine Reise nach Indonesien zu machen, ohne zu wissen, dass es die Reise meines Lebens sein würde, auch wenn sie nur 4 Wochen dauerte.

 

Indonesien war von all meinen Reisezielen immer mein Lieblingsort gewesen. Ich startete in Bali, um langjährige Freunde zu besuchen und fand mich plötzlich im Süden der Insel Lombok. Ich wollte nur ein paar Tage dort bleiben, aber verbrachte meine gesammte Zeit bis zum Rückflug nach Deutschland auf dieser wunderschönen Insel.

 

Auf dem Weg nach Hause hatte ich einiges an Gedankengepäck in mir, was ich bis heute mit mir herumtrage. Ich habe für mich beschlossen, dass ich mein Leben in Indonesien gestalten möchte, da dies der Ort ist, an dem ich mich am wohlsten fühle, mal abgesehen von meinem Elternhaus.

 

Nachdem ich in der psychologischen Klinik viele Menschen kennen gelernt habe, die am Abgrund standen, weil sie den Stress von Alltag und Arbeit nicht mehr aushielten, habe ich mir geschworen, mein Leben anders zu gestalten.

 

Ich bin erst 23 Jahre alt und mein Vater sagt immer, ich  habe noch alle Zeit der Welt. Das mag vielleicht sein, aber auf der anderen Seite spüre ich, dass genau jetzt die Zeit ist, in der ich beschließe, was ich in Zukunft machen möchte und welchen Lebensweg ich einschlagen
will.

 

Ich möchte in Kuta Lombok in Indonesien mein eigenes Gästehaus eröffnen und das tun, was ich am besten kann. Spätestens durch die Vorfälle im letzten Jahr habe ich gelernt, dass man im Leben das tun sollte, was man liebt, denn das ist das, was man am besten kann. Wenn ich eins kann, dann eine gute Gastgeberin sein. Ich habe auf meinen Reisen unzählige Herbergen aufgesucht und an mir und durch andere gelernt, was man braucht, um sich an einem Ort, weit weg von zu Hause, richtig wohl zu fühlen.

 

Ich möchte ein Gästehaus eröffnen, in dem sich die Menschen mehr als nur willkommen fühlen. Es soll ein Ort sein, an dem jeder die Chance hat, sich zu verwirklichen. Ich habe so viele Talente auf meinen Reisen kennen gelernt, die keine Möglichkeit hatten, sich auszuleben. Es gibt so viele Menschen die reisen und es vermissen, ihr gelerntes Instrument in den Händen zu halten, selber zu kochen oder mal wieder an etwas zu werkeln.

 

Ein  Freund sagte mal auf einer Reise “Ich würde mein letztes Hemd geben, um endlich mal wieder Mann spielen zu dürfen, so mit Bohrmaschine, Hammer, Säge und so.” Also wird es in meinem zukünftigen Gästehaus einen Werkraum geben, in dem man sich austoben kann, einen Musikraum sowie die Möglichkeit für gemeinsames Kochen und Beisammensein.

 

Ich möchte das gerade die Gäste, die auf einer längeren Reise sind, in meinem Gästehaus den Boden unter den Füßen wirklich spüren können.

 

Durch meine Erziehung, meine Schul-­ (Waldorfschule) und Universitätsbildung (Leuphana Universität Lüneburg) habe ich die Willenskraft entwickelt, etwas das ich beginne, richtig gut zu machen.

 

Was heißt “richtig gut”?

 

Richtig gut ist für mich etwas, auf das meine zukünftigen Kinder noch zurück schauen werden und sagen: “Mama hat es richtig gut gemacht”. Ich spreche von Nachhaltigkeit. Ich möchte ein Gästehaus in dem nicht nur die ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit funktioniert, sondern auch die weiteren zwei Säulen, die kultuelle und soziale Nachhaltigkeit beachten. Die Berücksichtigung und Verschmelzung dieser vier Elemente der Nachhaltigkeit machen für mich eine Sache richtig gut.

 

Jetzt, in diesem Moment, sitze ich in Kuta Lombok in Indonesien mit einem Fruchtshake und schreibe über meinen Weg. Ich bin hier, weil ich mich entschlossen habe, die Sache richtig gut zu machen.

 

Um vertraut zu werden mit Kuta und den Bewohnern, schreibe ich meine Bachelorarbeit über den Zusammenhang von internationalem Tourismus und lokaler Bevölkerungsentwicklung am Beispiel Kuta Lombok. Ich befrage die einheimischen Menschen, was sie vom Tourismus halten, wie sie sich den Tourismus in der Zukunft wünschen. Welche Wünsche und Träume sie mit zukünftigem Tourismus verbinden.

 

Für mich ist dieser Schritt der Erste, um die Sache “richtig gut” zu machen. Neben meiner Bachelorarbeit bin ich dabei, hier Land zu kaufen, denn ein zukünftiges Gästehaus will auch einen Untergrund haben. Ich lerne die Sprache, verhandle mit Leuten, schreibe meine
Bachelorarbeit, um möglichst viel über Kultur und Menschen zu erfahren, surfe fast jeden Tag und spüre, im Vergleich zum letzten Jahr, den Boden unter meinen Füßen.

 

Schaue ich jetzt zurück auf mein letztes Jahr, weiß ich, wieviel Glück ich gehabt habe in all dem Unglück und bezeichne mich selbst gerne als “Glückskind”. Ich hatte das Glück, lebend aus einer schweren Depression zu finden, ich hatte das Glück, zumindest Geld von der
Versicherung für meine verbrannten Dinge zu bekommen, ich hatte Glück, dass die Flüge nach Indonesien zu diesem Zeitpunkt sehr günstig waren und ich hier landete und die ganze Idee in meinem Kopf anfing, Gestalt anzunehmen.

 

Bisher ist mein eigenes Gästehaus mein Traum gewesen, aber jetzt bin ich bereit, einen Weg zu finden, ihn zu verwirklichen. Koste es, was es wolle und sei der Weg noch so hart und lang.

 

Jetzt habe ich Dir erzählt, was ich getan habe und wohin mein Weg geht. Ich hoffe sehr, dass auch Du einen Traum hast, der irgendwo in Dir schlummert. Vielleicht habe ich es ja geschafft, Deinen Traum mit meiner Geschichte zum Leben zu erwecken…

 

Liebe Grüße aus Kuta Lombok

 

Deine Elisa

 

PS: Weißt du, warum mein Gästehaus STAY RUDEL heißen wird? Weil ich im letzten Jahr gelernt habe, dass man alles schaffen kann, wenn man seiner Familie und seinen Freunden vertrauen kann, die einen auffangen, wenn es einem mal gar nicht gut geht. Ich glaube, wir sind noch immer Rudeltiere und brauchen unsere Liebsten um uns.Auch wenn Du von weit weg einmal beobachtest, wie die Surfer im Wasser wie ein Rudel auf das Erbeuten von Wellen warten, kannst du den Namen STAY RUDEL verstehen.