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Loslassen

Von Dörthe Untrieser

 

Mein Weg. Ich kenne den Anfang, doch wo ist das Ende? Ich weiß es nicht, denn ich laufe ihn tagtäglich – eine Strecke liegt hinter mir, eine weitere vor mir.

 

„Na, was möchtest du einmal werden, wenn du groß bist?“ Schon als kleiner Knirps wusste ich auf diese Frage eine eindeutige Antwort: „Ich werde mal Ärztin!“ An dieser Tatsache gab es lange nichts zu rütteln: In der Schulzeit wurde selbstverständlich ein Praktikum im Krankenhaus absolviert, noch im Abi wurden die Bewerbungen für das Medizinstudium abgeschickt. Es folgte eine Absage. Für Frust blieb keine Zeit, das Ziel musste weiter verfolgt werden. Die Suche nach einer sinnvollen Überbrückung der Wartesemester mündete schließlich in der Ausbildung zur Medizinisch-technischen-Laboratoriumsassistentin. „Schonmal so viel medizinisches Wissen wie möglich ansammeln“, hieß das Argument – der Plan schien vernünftig. Was folgte, waren die bis dato lernintensivsten drei Jahre meines Lebens.

 

Mit der Ironie des Schicksals machte ich Bekanntschaft, als mir klar wurde, dass mit den verstrichenen „Wartejahren“ auch die Zahl DER ZU WARTENDEN Jahre anstieg. Auch nach erfolgreich beendeter Ausbildung konnte ich das Studium nicht anschließen. Doch erstaunlicherweise hielt sich meine Enttäuschung dieses Mal in Grenzen. An diesem Punkt fragte ich mich das erste Mal seit Jahren, ob ich das überhaupt noch wollte. Ich schob die Entscheidung auf und suchte mir erst einmal einen Job. Berufserfahrung zu sammeln sollte sicherlich nicht schaden.

 

Eine Stelle war schnell gefunden. Ich packte meine Sachen und zog von Bremen nach Düsseldorf. Schnell lebte ich mich in der neuen Stadt ein und lernte nette Leute kennen. Doch es gab ein schwarzes Schaf in meinem neuen Leben: Meine Arbeit machte mir überhaupt keine Freude. Was sollte ich tun? Durchhalten und doch auf den Medizinstudienplatz warten? Das war plötzlich keine Option mehr. Schnell wuchs die Erkenntnis, dass ich etwas ändern musste. Die leisen Zweifel nach Beendigung der Ausbildung wurden lauter, auf einmal wurde mir klar, dass ich mich in den Jahren zuvor verändert hatte. Und mit mir auch meine Vorstellungen.

 

Doch was wollte ich stattdessen? Ich hatte keine eindeutige Antwort auf diese Frage. Ein Zustand, der mir bis dahin fremd war. Ich hatte einige Leute beobachtet, angehört, miterlebt, die nach dem Abitur in ein Loch der Ratlosigkeit gefallen waren, welchen Weg sie beruflich gehen sollten. Aber ich kannte dieses Gefühl nicht, ich wusste immer, was ich wollte. Und das änderte sich plötzlich. Was sollte ich tun? Das Gefühl ignorieren, einfach weitermachen, hoffen, dass die Phase vorübergeht? Widerstand war zwecklos, die Unzufriedenheit zu groß. Monatelang überlegte ich, recherchierte im Internet und tauschte mich mit anderen aus, was ich stattdessen machen könnte. Unzählige Wahlmöglichkeiten machten die Entscheidung nicht leichter. Doch irgendwann musste eine Wahl getroffen werden. Ich entschied mich für ein Studium mit den Fächern Germanistik und Kommunikations- und Medienwissenschaften. „Wieso denn sowas ganz anderes?“ mochte der eine oder andere denken. Auch in meinen Gedanken diskutierte meine Vernunft mit meinem Herzen. „Solltest du nicht besser einen inhaltlich passenden Studiengang anschließen?“ fragte meine Vernunft. „Denk an deinen Lebenslauf!“. „Eine abgeschlossene Ausbildung hast du doch, mache etwas, das dir Spaß macht. Es ist schließlich DEIN Leben!“ erwiderte mein Herz. Ich beschloss, dass mein Herz Recht hatte. Und ganz aus der Luft gegriffen war die Wahl nun auch nicht. Schon zu Schulzeiten galt mein Interesse neben der Medizin der deutschen Sprache und Literatur. In meiner Freizeit besuchte ich einen Schreibkurs an der Volkshochschule. Doch viel entscheidender: Als ich im sterilen Labor stand, wurde mir auf einmal klar, dass ich kreativ arbeiten wollte. Ich erkannte, dass Routine mich demotivierte und ich mir wünschte an Denkprozessen beteiligt zu sein. So wichtig und ehrenhaft die Arbeit im Labor auch sein mochte, ich lebte dort nicht meine Stärken.

 

Der Studienstart war leicht getan. Ich fühlte mich in der Universität wohl, genoss den philosophischen Anspruch und empfand die neuen Eindrücke als Bereicherung. Doch mir war bewusst, dass ich nicht nur zum Spaß dort war. Ich begann erneut, mich mit der Frage zu beschäftigen, in welche berufliche Richtung, es für mich genau gehen sollte. Plötzlich wurde mir klar, wie viel ich bereits in mein erstes Ziel investiert hatte. Der Gedanke, dass alles umsonst gewesen sein sollte, holte mich ein. Die Erkenntnis: Ein altes Ziel durch ein neues zu ersetzen ist nicht die Schwierigkeit, es loszulassen, ohne ein neues gefunden zu haben, hingegen sehr. Hinzu kamen meine Befürchtungen, mein Weg könnte nicht nachvollziehbar erscheinen, man würde mich für eine unbeständige, ziellose Person halten. Ein furchtbarer Gedanke - dieses Bild entsprach ganz und gar nicht meinem Selbstverständnis. Mir wurde bewusst, dass es nicht den meisten Mut erfordert hatte, einen neuen Weg zu gehen, sondern diesen auch mit aller Konsequenz zu verteidigen. Und das vor allem vor mir selbst. Denn die kritischste Stimme war die in meinem Kopf. Mein Umfeld reagierte überwiegend positiv auf meine Entscheidungen. Vor allem Menschen, die mich gut kannten, fanden die zweite „Berufung“ sogar sehr passend.

 

Obwohl es nie einen Moment gab, in dem ich wirklich meine Entscheidung bereute, das Studium aufgenommen zu haben, fiel es mir noch lange schwer, meinen Wandel vollständig zu akzeptieren. Oder besser gesagt auszuhalten, dass der Wandel noch im Gange war. Dass es Zeit brauchte, aus den vielen neuen Möglichkeiten EINE auszuwählen. Doch siehe da: Einige praktische Erfahrungen später formte sich aus dem Interesse für Sprache, Kommunikation und co. ein neues Berufsziel.

 

Heute plane ich den Berufseinstieg in der Unternehmenskommunikation. Und ich freue mich auf die neuen Herausforderungen und Veränderungen, die die Zukunft für mich bereithält. Zusätzlich bastel ich gerade an einem eigenen Blog, in dem ich meine Erfahrungen teilen möchte.

 

Was genau habe ich aus dieser Erfahrung gelernt? Nicht nur bei mir selbst, auch bei anderen konnte ich beobachten, dass ein perfektionistischer Anspruch an sich selbst und sein Handeln oft zu Ungeduld führt. Wir wollen wissen, was wir wollen. Denn für Ehrgeiz braucht es ein Ziel, auf das man hinarbeiten kann. Fehlt dieses Ziel, führt das zu Unzufriedenheit. Ich habe in der Phase der Orientierung gelernt, geduldiger zu werden und flexibler auf das Leben zu reagieren. Menschen verändern sich. Sie lernen dazu und sie definieren im Laufe ihres Lebens ihre Ziele und Träume neu. Das nennt man Weiterentwicklung, nicht scheitern. Eine Erkenntnis, die mich nur die Zeit lehren konnte und die Mut erfordert. Ich würde niemandem raten, aus einer Laune oder temporären Unzufriedenheit heraus, sein bisheriges Leben über den Haufen zu werfen. Wenn aber die Freude am Leben (und da nimmt die Arbeit einen großen Teil ein) dauerhaft auf der Strecke bleibt, dann ist es Zeit etwas zu ändern. Es ist nicht unvernünftig einen Plan neu zu definieren, den man in jungem Alter geschmiedet hat. Unvernunft ist, an etwas festzuhalten, das einen nicht glücklich macht.

 

 Dörthe Untrieser

 

EIN Traum aus Kindertagen ist allerdings geblieben: Ich möchte die Welt bereisen. Das mag kein origineller Wunsch sein, gehört aber zu „meinem Weg“. ;-)