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I am only one

Von Daniel Kröll

 

“I am only one, but I am one. I cannot do everything, but I can do something.” (Edward Everett Hale)

 

DanielKröll Titelbld 

 

Ich heiße Daniel Kröll (25) und bin nach dem Studium meinen eigenen Weg gegangen. Einen Weg ins Risiko, um mich selbst zu verwirklichen und etwas von dem zurückgeben zu können, was ich in meinem Leben erfahren durfte. Angefangen von einem sicheren Umfeld, über Schule und eine vernünftige Ausbildung, bis hin zu einem guten Studium. Für uns Deutsche meist selbstverständlich, in manchen Ländern undenkbar. So auch in vielen Gebieten in Südafrika. 

 

Daniel Kröll

 

Ich bin also für einen Zeitraum von einem Jahr in eine Organisation nach Afrika gegangen, mit der Intention einen Unterschied in dem Leben von anderen Menschen zu machen. Die Organisation hieß POPUP – People Upliftment Programme – in der ich mich als ehrenamtlicher Projektmanager und Fähigkeitstrainer etabliert habe. POPUP selbst ist ein Fähigkeits- und Entwicklungszentrum für unterpreviligierte und benachteiligte Menschen. Für Menschen, die kein Geld, keine Hoffnung, keine Ausbildung und keine Perspektiven im Leben haben. Meist ist ihr Leben und ihr Alltag durch negative Ereignisse wie Kriminalität, Vergewaltigungen, Drogenmissbrauch und andere tragische und einschneidene Ereignisse geprägt. POPUP bietet ihnen die Möglichkeit durch Trainings und akkreditierte Kurse eine Ausbildung zu machen und hilft ihnen zusätzlich den Sinn ihre Lebens wiederzufinden und ihnen Hoffnung und Perspektiven zu vermitteln. Da die meisten Teilnehmer (das Alter variiert zwischen 18 und 45) kaum finanzielle Möglichkeiten besitzen für das Nötigste zu sorgen, bietet POPUP zudem kostenlose Essensversorgung, eine Kleiderkammer, Kinderbetreuung und medizinische Services an. 

 

Nach den ersten emotionalen Erlebnissen und der Einarbeitungsphase in der Organisation wollte ich unbedingt etwas „zurückgeben“ und einen signifikanten Unterschied im Leben anderer Menschen machen und ich war davon überzeugt, dass ich dies nicht nur bei den Menschen in Not, sondern auch bei manchen Mitarbeitern oder Freunden vor Ort erreichen konnte. Ganz nach dem Slogan der Organisation, „Leaving a Significant Footprint“ habe ich diese Herausforderung angenommen und Tag für Tag aufs neue verfolgt. In viele Projekten habe ich mitgewirkt und einige davon geleitet, wobei ich die 3 nachhaltigsten und langfristig sinnvollsten in diesem Beitrag hervorheben möchte:

 

Going to Africa – Becoming an author...

 

Aufgrund der auslaufenden Akkreditierung und den fehlenden finanziellen Mitteln, um akkreditierte Lehrbücher für die Computerklasse zu bestellen, habe ich ein eigenes Lehrbuch geschrieben. 210 Seiten später und nach vielen nervenaufreibenden Tagen und Nächten stellte ich es letztendlich nach 5 Monaten Bearbeitungszeit fertig und reichte es bei der südafrikanischen Regierung zur Akkreditierung ein. Einige Zeit später erhielt die Organisation aufgrund des Lehrmaterials das Zertifikat für die Akkreditierung ihres Computerkurses bis 2017. Absolventen dieses Kurses haben eine anschließende Vermittlungsquote von über 90 Prozent.

 

DanielKröll Popup Bücher

 

Fundraising – Ein Ziel, gepaart mit Hartnäckigkeit und Geduld zahlt sich aus!

 

Im Bereich Fundraising habe ich nach 6 monatigen Gesprächen und Besuchen einen großen und internationalen IT Konzern als Partner für POPUP gewinnen können, wodurch nun jährlich enorme Spendenbeträge fließen und das Unternehmen ca. alle 2 Monate Aktionstage in Form von „Volunteer Challenges“ innerhalb der Organisation veranstaltet. Dabei geht es in erster Linie um verschiedenste handwerkliche Tätigkeiten und die Instandhaltung bzw. Renovierung von Gebäuden, dem Grundstück, Einrichtungen, oder den Klettergerüsten für die Kinder.

 

DanielKröll Renovierung

 

Soup Kitchen – Jeder Mensch hat das Recht auf Respekt und Anerkennung!

 

Das aufregendste Projekt, welches mir vom ersten Tag am Herzen hing, war die Suppenküche. Menschen aus dem angrenzenden Township haben täglich frische Suppe und Brot erhalten, was für ca. 200 Afrikaner, darunter auch viele Frauen, Mütter und Kinder, die einzige Mahlzeit am Tag war. Über das Jahr hinweg habe ich die Leitung dieser Suppenküche übernommen und ein System eingeführt, damit die Menschen dort alle gleich behandelt werden und jeder die Garantie hat Essen zu bekommen, auch wenn er als letztes in der Schlange steht. Bis zu diesem Zeitpunkt entstanden Drängeleien, bis hin zu Schlägereien mit teilweise gefährlichen Körperverletzungen, da viele der Afrikaner Angst um ihre Existenz und den Hungertod hatten. Alleine der Gedanke, dass Menschen so verzweifelt sind und sich wegen Essen, einem Grundbedürfnis des Menschen, schlagen, machte mich sprachlos und ließ mich erkennen, in was für einer Welt wir leben.

 
Aufgrund des Systems und einem geordneten Ablauf und der dadurch sinkenden Gefahr für mich und meine Mitarbeiter habe ich angefangen gute Gespräche und Beziehungen mit den Menschen aufzubauen und Einblicke in ihr Leben erhalten. Einblicke und Erlebnisse, die mich oft an meine emotionale Grenze gebracht haben, aber es den Menschen dennoch geholfen hat, weil sie jemanden gefunden haben der ihnen zuhört und der sie als normalen Menschen ohne jegliche Vorurteile betrachtet. Ich habe die ca 200 Menschen, die täglich zu der Suppenküche kamen, in mein Herz geschlossen und wollte ihnen ein nachhaltiges Projekt hinterlassen, um ihnen gegenüber meine Wertschätzung auszudrücken.

 

DanielKröll Suppenküche

 

Dadurch, dass die Suppenküche aus Sicherheitsgründen immer vor dem Grundstück der Organisation stattfindet, mussten die Menschen inklusive der Frauen und Kinder auf dem staubigen, dreckigen und teilweise vermüllten Boden sitzen. In meinen Augen war dies ein menschenunwürdiger Zustand und zeigte den Menschen immer wieder, dass sie nichts wert seien und im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck leben. Somit habe ich einen zementierten Platz mit Überdachung, einbettonierten Stahlbänken und einem Ausgabentisch, sowie Anstellschlangen entworfen und diese Pläne anschließend mit einem Bauunternehmer zusammen umgesetzt. Zusätzlich haben sie einen Wassertank erhalten, aus dem sich alle Menschen des dortigen Townships 24h am Tag frisches Wasser holen können. Viele Bewohner dieses Townships haben dadurch die Möglichkeit bekommen, sich nach vielen Jahren erstmals vernünftig und mit klarem und reinem Wasser zu waschen. Die gesamte Konstruktion wurde an dem Tag meines Abfluges zurück nach Deutschland fertig, so dass ich sie noch selber einweihen konnte und unendlich glückliche Gesichter sehen durfte. Als Überraschung und Dank hat POPUP mir für meine Arbeit ein Schild an der Suppenküche angebracht. Es war ein sehr besonderer und bewegender Moment für mich und gleichzeitig ein in Erinnerung bleibender Abschluss. Sollte ich über diesen Wettbewerb unerwartet finanzielle Mittel erhalten, werden auch diese zu einem großen Teil den Bewohnern des Townships und den Besuchern der Suppenküche zu Gute kommen.

 

DanielKröll Suppenküche

DanielKröll Project

 

Abschließende Gedanken als Anregung zu unseren Erste-Welt Problemen

 

Ein wunderschönes Land wie Südafrika, mit sehr vielen extremen Problemen und dennoch sind die Menschen lebensfroher und glücklicher als so mancher Deutscher. Als Deutscher ist man eine solche Kontroverse nicht gewohnt und es gibt mehrere gedankliche Fragen die ich auf meinem Weg in Afrika durchlaufen habe:

 

DanielKröll Mädchen

 

Wie können die Menschen so leben? 

 

Wie kann ich ein Jahr so eingesperrt in mitten von Kriminalität leben? 

 

Wie kann ich die ganzen Erlebnisse und Storys der Menschen emotional verarbeiten? 

 

Wieso können die Menschen trotzdem so glücklich sein? 

 

Muss ich mich schämen, dafür dass ich so viel im Leben habe und erleben durfte und trotzdem an allen Sachen etwas auszusetzen habe?

 

Muss ich mich für meine Einstellung schämen?

 

Gedanken und Fragen auf die ich anfangs keine Antwort finden konnte. Ich fühlte mich alleine und unverstanden, obwohl alle Menschen ungewöhnlich freundlich und offen waren. Die große Antwort auf dieses gedankliche durcheinander war ein Wort, welches anschließend mein ganzes Jahr geprägt hat:

 

Dankbarkeit! 

 

Sei dankbar für alles was du hast, dir wiederfährt und du erleben darfst. Selbst schwierige Situationen und Herausforderungen bringen letztendlich einen positiven Kern und eine lehrreiche Message für die Zukunft hervor. Ich muss mich nicht schämen für was ich habe, aber ich müsste mich schämen, wenn ich das, was ich habe nicht zu schätzen weis und nicht dankbar dafür bin.

 

Ich kann es jedem Leser dieses Berichtes nur empfehlen und ans Herz legen, auf die Sachen zu gucken die man hat und dafür dankbar zu sein, als immer darauf zu schauen, was andere haben und man selbst nicht. So oft bedarf es nur eines Samens der gesät werden muss. Diesen Chance einen winzigen Samen zu sähen habe ich genutzt. Ein Samen, aus dem inzwischen eine Blüte gewachsen ist die nun streut und vorher schier Unmögliches möglich macht. Kontakte die entstanden sind und sich durch Word of Mouth weiter ausbreiten. Ein Lauffeuer, wie es vorher niemand erwartet hat, am wenigsten ich…

 

Es geht hier in keinster Weise um mich und ich möchte mit diesem Beitrag jeden Leser motivieren, weil jeder andere das gleiche tun kann, wenn er seinen Weg geht und seine Ziele mit viel Engagement und positiver Kraft verfolgt. Everybody can leave a significant footprint...

 

 DanielKröll Fotos