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Erst ausgebremst, dann auf den Kopf gestellt: Mein Weg in die Selbstständigkeit

Von Julia Schönborn

 

Panikattacken setzten meinem beruflichen Alltag im Oktober 2015 ein plötzliches Ende. Ich erkannte, dass ich mir einige wichtige Fragen nicht gestellt hatte. Dass mir etwas fehlte, und dass ich nirgends so richtig hinein passte. Meine Selbstständigkeit ist nun ein Weg „zwischen meinen Welten“.

 

Mein Name ist Julia Schönborn, ich werde im November 37 und bin seit kurzem das, was man als „Socialpreneur“ bezeichnet. In einem Blog habe ich mal gelesen, dass Menschen, die Unternehmen und soziales Engagement verbinden, einen „anderen Blick auf die Welt haben“. Dass das auf mich zutrifft, war mir lange nicht klar.

 

An meinem bisherigen Weg fällt mir rückblickend auf, dass ich in mein wechselndes Umfeld nie so richtig zu passen schien. Vieles störte zwar kaum, fühlte sich aber nicht ganz richtig, nicht stimmig an. In meiner Schulzeit war das besonders ausgeprägt. In mein Studium der Literatur- und Kulturwissenschaften wuchs ich dagegen gut hinein. Schon während des Studiums engagierte ich mich ehrenamtlich. Dann bekam ich Kinder, kümmerte mich um den Haushalt und unterrichtete. In dieser Zeit dachte ich wenig darüber nach, wie ich meinen Alltag und mein Arbeitsleben gestalten sollte – die Betreuung der Kinder verlangte von mir viel Flexibilität, alles andere musste irgendwie nebenbei laufen. Im Laufe der Jahre nahm ich verschiedene ehrenamtliche Aufgaben in Initiativen und Projekten an. Wie wichtig mir diese Arbeiten waren, erkannte ich allerdings erst viel später.

 

Ab 2014 arbeitete ich als Texterin in einem Unternehmen. Doch trotz vieler netter Kollegen und tollen Chefs fehlte von Anfang an etwas, das ich nur in meinen Initiativen und sozialen Projekten fand. Also betrieb ich die ehrenamtliche Arbeit weiter, neben der Vollzeitstelle, zu der ich pendelte, neben den drei Kindern, die am Nachmittag meine Aufmerksamkeit und Hilfe einforderten. Ich begann, mich zu überarbeiten, um allen Teilen meines Lebens gerecht zu werden, und merkte es viel zu spät. Panikattacken und eine unmittelbar folgende Depression setzten einem monatelangen Kampf ein Ende. Ich kündigte, um gesund zu werden, und um zu verstehen, warum es so für mich nicht funktionierte. Beziehungsweise, weshalb ich so nicht funktionierte.

 

In den kommenden Monaten erkannte ich, dass mir in meinem bisherigen Arbeitsleben die für mich wichtigste Komponente gefehlt hatte: Das Gefühl, der Welt etwas Sinnvolles zu geben. Meine Talente dort einzusetzen, wo sie Menschen halfen. Meine Privilegien, die ich nicht verdient hatte, sondern in die ich geboren war, für diejenigen einzusetzen, die weniger Glück hatten. In meinem Kopf entstand eine Idee. Was wäre, wenn ich mich künftig nicht mehr entscheiden müsste, ob ich nach meinen Idealen ehrenamtlich arbeite oder einen bezahlten Job gegen meine Überzeugungen annehme? Wäre es möglich, ein Arbeitsmodell für mich zu etablieren, das beides verbindet? Und in das ich alle meine Talente und Erfahrungen einbringen könnte?

 

Nach vielen Monaten der Planung rief ich vor kurzem „karmajob“ ins Leben – ein Projekt, das soziale Initiativen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit unterstützt und gleichzeitig Unternehmen sucht, die meine Arbeit querfinanzieren. Für die finanzierenden Unternehmen entwickle ich Kommunikationsstrategien, wie sie ihr Engagement am wirksamsten sichtbar machen. Hierzu versorge ich die Unternehmen mit auf sie zugeschnittenem Textmaterial. Die Mitarbeitenden der Initiativen unterstütze ich nicht nur mit Text, sondern leite sie an, die so wichtige Öffentlichkeitsarbeit eigenständig leisten zu können. Denn Außenkommunikation sollte nie dauerhaft ausgelagert werden. Sie gehört in die Initiativen selbst, weil dort die Geschichten stattfinden, die die Menschen lesen möchten.

 

Der Begriff „Karma“ bezeichnet ein spirituelles Konzept und bedeutet aus dem Sanskrit übersetzt soviel wie Tat oder Wirken. Obwohl der Titel „karmajob“ den spirituellen Aspekt nahelegt, ist das Prinzip, das dem Arbeitsmodell zugrunde liegt, ein ökonomisches: Es wird auch als „Prinzip der geteilten Verantwortung“ bezeichnet. Ich glaube, dass es möglich ist, so zu arbeiten und zu agieren, dass alle Seiten einen Vorteil davon haben. Und ich denke, dass wir in Zukunft Arbeitsmodelle benötigen werden, die Synthesen zwischen den Welten suchen. „karmajob“ richtet den Blick auf das gesellschaftlich so wichtige Ehrenamt und zeigt alternative Vergütungsmöglichkeiten auf, bietet aber gleichzeitig einen echten Mehrwert für die finanzierenden Unternehmen.

 

Was aus dieser Idee wird, kann ich noch nicht absehen, denn ich stehe noch sehr am Anfang meiner Selbstständigkeit. Die Resonanz bisher ist toll, und es ergaben sich in den letzten Monaten bereits wunderbare Gespräche und einige Möglichkeiten, die mich sehr überrascht haben. Und obwohl es schwierig ist, neue Wege zu gehen, ich häufig frustriert bin und mich immer noch frage, ob das alles eigentlich richtig ist, fühlt es sich doch im Großen und Ganzen passend für mich an. Zwischen den Stühlen, zwischen den Welten. In diesem neuen Raum, von dem ich bis vor kurzem gar nicht dachte, dass es ihn geben könnte.

 

Mit „karmajob“ habe ich mein Leben noch einmal auf den Kopf gestellt – und mich intensiv gefragt, wie ich arbeiten möchte. Dass ich vorher in keine meiner Welten so richtig hinein gepasst habe, ergibt nun Sinn.

 

Ich hoffe sehr, dass meine Geschichte auch anderen Mut macht, ihren Weg zu gehen. Selbst wenn es zwischendurch so aussieht, als sei vielleicht dort gar keiner. Lasst Euch versichern: Der Weg ist da – er ist nur noch unbetreten. Vielleicht, weil er zwischen zwei Welten hindurch führt.

 

www.karmajob.de
www.junaimnetz.de