Über das Blog

„ERGO ganz nah“ ist das Corporate Blog der ERGO Group AG.

Kontakt

Sie haben eine Frage zu „ERGO ganz nah“? Nehmen Sie Kontakt zu uns auf!

RSS-Feeds

RSS Feed Icon Immer aktuell informiert: Abonnieren Sie unsere Themen als RSS-Feeds.

RSS-Feeds anzeigen

Unsere Marken

       

       

 

Empfehlen Drucken

Verband kinderreicher Familien

Von Elisabeth Müller

 

„Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh mit anderen.“
- Afrikanisches Sprichwort –

 

Für den ERGO „Dein Weg Award“ bewerbe mich heute als die Vorsitzende des 2011 gegründeten Verbands kinderreicher Familien Deutschland. Das tue ich im Namen aller Mitglieder und für unser gemeinsames Ziel: Mehrkindfamilien mit drei oder mehr Kindern zu fördern und zu schützen.

 

Mein Weg ist somit ein lebendiges Beispiel dafür, dass sich für einander bewusst einzusetzen immer richtig ist. Ist der wirklich aber nur mein Weg? Eher unser Weg! Ich und meine Mitstreiter hoffen sehr, dass unser Beispiel anderen hilft, Neues zu wagen und ihren Träumen nachzugehen.

 

Wie alles begann

 

Aufgewachsen bin ich mit vier Geschwistern in Freiburg. Großfamilie war für mich zuerst einmal tägliche Erfahrung und Normalität. Einschränkungen gab es, gleichzeitig schätzte ich das Verhältnis zu meinen Geschwistern, das Erleben von Zusammengehörigkeit und Verlässlichkeit. Für mein Leben wollte ich das auch. Und auch meinen Kindern wollte ich es weitergeben. Inzwischen habe ich eine eigene große Familie, dafür bin ich sehr dankbar. Natürlich läuft auf dem Weg in einer großen Familie nicht alles glatt, es gibt auch schwierige Wegstrecken, ganz normal.

 

Seit über 20 Jahren bin ich verheiratet, mein Mann und ich haben sechs Kinder zwischen 11 und 19 Jahren, drei Jungen und drei Mädchen. Ich habe Pharmazie studiert, einen Doktortitel erworben und arbeite in Teilzeit in einer Apotheke. Mein Mann und ich teilen uns die Aufgaben in der Familie. Für mich ist das wichtigste und schönste, meine Kinder bei ihren täglichen Aufgaben und Herausforderungen zu begleiten und dafür zu sorgen, dass das gemeinsame Leben in so einer großen Familie läuft.

 

Der 1. Familienkongress des Verbands kinderreicher Familien Deutschland e.V.Und dann vor circa vier Jahre eine folgenreiche Entscheidung: die Gründung des Verbands kinderreicher Familien Deutschland e.V. durch zehn Familien, darunter auch meine.

 

Foto: Der 1. Familienkongress des Verbands kinderreicher Familien Deutschland e.V.

 

 

 

Die Gründung des Verbands kinderreicher Familien e.V.

 

Der Verband ist ein eingetragener Verein, gemeinnützig anerkannt sowie überparteilich und konfessionell ungebunden. Die Mitgliedschaft ist kostenlos. Sachkosten, die entstehen, werden über Spendeneinnahmen, Zuwendungen und freiwillige Beiträge gedeckt. Alle Förderungen und Preisgelder, die wir erhalten, fließen direkt in die Verbandsarbeit. Sie ist ausschließlich den am Gemeinwohl orientierten Zwecken der Förderung von Kindern und Familien gewidmet und hier sehen wir großen Handlungsbedarf.

 

Wie ist es zur Gründung gekommen?

 

Kaum einem wird verborgen bleiben, dass kinderreiche Familien im öffentlichen Bewusstsein unseres Landes gar nicht mehr vorkommen. Und wenn doch, dann als soziale Problemfälle im Nachmittagsprogramm des Privatfernsehens. Dabei gibt es viele erfolgreiche und engagierte Menschen in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik, die aus großen Familien stammen und selbst mehrere Kinder haben.

 

Doch in der öffentlichen Wahrnehmung? Fehlanzeige. Dabei gibt es in Deutschland rund 1,4 Millionen kinderreiche Familien. Im Gespräch mit Freunden und Bekannten sammelten sich merkwürdige Erfahrungen: So sind Familienkarten- ob Zoo oder Schwimmbad – häufig nur für zwei Kinder ausgelegt. Auch bei den Familientarifen kommen Kinderreiche nicht vor. Diskriminierung und Ausgrenzung bei der Suche nach Wohnraum ist seit langem ein sehr großes Problem.

 

Für Sichtbarkeit und Gerechtigkeit

 

Weil ich und mit mir viele Kinderreiche sich bewusst für mehrere Kinder entschieden haben und dieses bunte und reiche Familienleben wunderbar finden, keinen einzigen Schritt bereuen, möchten wir auf diesen Lebensweg wieder neugierig machen.

 

Noch etwas: Wir wollen für mehr Gerechtigkeit werben in der Anerkennung dieses Lebensweges in unserem Sozialsystem. Wer Kindern das Leben schenkt, sie aufzieht und lebenstüchtig macht, der hat sich soziale Anerkennung und finanzielle Absicherung redlich verdient.  Wer sich für eine große Familie entscheidet, leistet einen immensen Beitrag für unsere Gesellschaft. Er geht eine dauerhafte Bindung ein und übernimmt viel Verantwortung.

 

Und so ist auch bei den Gründern und ehrenamtlich Engagierten des Verbands. Wir haben uns entschieden, Verantwortung zu übernehmen und es ist uns auch bewusst, dass es sich bei unserer Verbandsgründung nicht um ein Projekt von kurzer Dauer handelt.

 

Es gibt nichts Gutes außer man tut es…

 

Ein Verband braucht Vorstände und Menschen, die bereit sind, ihm eine Struktur und eine Strategie zu geben und damit verbundene Ziele gegenüber Mitgliedern und der Öffentlichkeit zu vertreten. Ich sah bei dem Thema Mehrkindfamilie die Notwendigkeit eines Handelns und erklärte mich bereit, mich hierfür einzusetzen, dafür auch neue Wege zu gehen.

 

So kam es, dass ich die erste Vorsitzende des Verbandes kinderreicher Familien in Deutschland e.V. geworden bin und seitdem diese Position ehrenamtlich innehabe.

 

Wie gründet man einen Verband?

 

Mein Start in die Verbandsarbeit war ein Abenteuer! Ich hatte wenig Erfahrung in politischer Arbeit, im Planen von Projekten und in der Zusammenarbeit über das ganze Bundesgebiet. Internet, Email, Kommunikation mit Mitgliedern, Presse, Politik, Förderern – bis dato für mich alles unbekannt. Es gab viel zu lernen, jeden Tag neue Herausforderungen.

 

Der Verband hat sich vorgenommen, für Anerkennung der vielen kinderreichen Familien zu einzutreten. Wir versuchen auf vielfältige Weise Öffentlichkeit zu schaffen. Wir sprechen Vertreter der Wirtschaft, der Medien und der Politik an und versuchen, sie für die Anliegen der Kinderreichen zu sensibilisieren. Und machen damit überwiegend gute Erfahrungen, werden von der Politik auf Bundes, Landes- und Kommunalebene zu Gesprächen eingeladen.

 

Mit jedem Schritt auf diesem Weg wurde klar: Wir tun das Richtige. Wir ebnen den Weg für andere und die Kraft, die uns diese Arbeit kostet, wird honoriert, denn die Resonanz ist groß. Der Dank von den Familien ist überwältigend. Jede Woche kommen neue Menschen auf den Verband zu, wir wachsen mit den Aufgaben. Stets gibt es neue Fragestellungen.

 

Bald sind wir 3.000

 

Aus unserem Zusammenschluss von ursprünglichen 10 Familien ist ein Bündnis von zwischenzeitlich fast 3.000 Familien geworden. Und wenn man mir vor vier Jahren gesagt hätte, dass ich eines Tages als Sachverständige vor dem Familienausschuss der Bundesregierung, als Vortragende auf Kongressen, als Interviewpartnerin in nationalen Medien und sogar als Talkshow-Gast auftreten würde – auch das hätte ich nie geglaubt.

 

Diesen Weg empfinde ich zwischenzeitlich als eine Berufung. Ich habe auch die beste Unterstützung, die ich mir wünschen konnte: meine Familie und einsatzbereite kinderreiche Familien!

 

Das ist das, was ich meine, wenn ich sage, dass mein Weg eher unser Weg ist. Meine Familie und unsere Mitgliedsfamilien geben den nötigen Rückhalt und gute Ideen. Wir teilen die Arbeit. Jeder hilft so viel, wie er neben der kinderreichen Familie schafft – wir sind ein tolles Team!

 

Unser Verband in Zahlen

 

Das Team wächst kontinuierlich. Unser Verband hat in 12 Bundesländern aktive Landesverbände, die sich regional stark vernetzt haben und für lokale Themen sehr effektiv einsetzen.

 

Auch thematisch ist der Verband stark geworden. Mehrere Mitglieder bieten auf ehrenamtlicher Basis Beratungsstunden an, nach dem Motto „von Kinderreichen für Kinderreiche“. Ob Familien in Wohnungsnot, alleinerziehend oder einfach vor schweren Entscheidungen stehen – unsere Familien versuchen, auch für andere im entscheidenden Moment da zu sein.

 

Ehrenamtliche und freiwillige Helfer sind für unseren Verband weiterhin von sehr großer Bedeutung. Die ehrenamtliche Arbeit des Verbandes lässt sich zwischenzeitlich auf 23.000 jährliche und 520 wöchentliche Ehrenamtsstunden bzw. auf 1,2 Millionen € beziffern. Zu diesem Zeitpunkt umfassen die Verbandsstrukturen mehr als 70 Ehrenamtlichen in Stabsfunktionen sowie in regionaler, landes- bzw. bundesweiter Projektarbeit. Unterstützt wird der Verband von einem wissenschaftlichen Beirat aus zehn Personen.

 

Wir gehen weit, wir gehen zusammen

 

Im kommenden Jahr feiern wir unser fünfjähriges Gründungsjubiläum. Wenn ich mir unsere heutigen Strukturen anschaue, denke ich häufig an den Anfang im kleinen Kreis und die vielen Stunden Aufbauarbeit zurück. Wir haben sehr viel erreicht aber auch haben wir vor uns einen weiten Weg.

 

Das große Engagement und die hohe Kreativität unserer Mitglieder gibt mir Kraft und das Gefühl, damals die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Wer in einer großen Familie aufgewachsen ist oder hat, der weiß aus eigener Erfahrung, dass jeder etwas beitragen muss, damit das Zusammenleben gelingt.

 

Und noch eines: Er lernt auch die Beiträge anderer zu schätzen und ihnen zu vertrauen. Wirkliche Kooperation, gegenseitiges Vertrauen und Selbstdisziplin für andere sind Eigenschaften, die unsere Gesellschaft braucht und die in großen Familien gedeihen können. Das Thema erschöpft sich nie: Familienleben in all seiner Schönheit und Vielfalt, mit allen Herausforderungen und Abenteuern.

 

Ich und der Verband werden in den kommenden Jahren diesen Weg fortsetzen, ganz im Sinne unseres afrikanischen Sprichworts: Wir gehen weit, wir gehen zusammen. Wir freuen uns auf möglichst viele, die mit uns auf diese Reise gehen wollen.