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Tortengeschichten

Von Anja Bröker

 

Dein Weg... Als ich dies per Zufall bei Facebook las, hat es mich sofort gefesselt und zwar ging mir mein Lebensweg sofort durch den Kopf. Mein Lebensweg durch Höhen und Tiefen, der oft vom Standard abwich und trotzdem im Allgemeinen ein schöner Weg ist, da ich trotz vieler Tränen ohne Reue und zufrieden auf ihn zurückblicken kann und er ist ja noch nicht zu Ende.

 

Dein Weg Anja BrökerMein Name ist Anja Bröker, ich bin 34 Jahre alt und Mutter, Konditormeisterin und proWIN-Beraterin. Warum das alles...Das werde ich so kurz wie möglich hier erklären.

 

Ich bin aufgewachsen in einem Dorf als Landwirtstochter mit zwei Brüdern und meinen Großeltern, worauf ich stolz bin. Besuchte regulär die Grundschule im Dorf, die Orientierungsstufe und dann, weil ich ja nicht doof war, wie meine Eltern meinten, das Gymnasium. Die Schule bereitete mir nicht sehr viel Probleme, jedoch erfüllte sie mich in keinster Weise. Ich habe mir immer die Sinnfrage gestellt und schon früh daran gedacht, was man nicht alles mit Zeit machen könnte, anstatt sie abzusitzen. Ich wollte tolle Torten machen und hatte stets ein Backbuch mit in der Schultasche.

 

Praktikum bei der Konditorei Niederegger

 

Aber zum Glück gab es noch Kunst. Kunst war eine meiner Leidenschaften, neben Backen und Tieren, speziell Pferde hatten es mir angetan. Doch mit Kunst konnte man ja sogar an der Schule noch ein paar Punkte sammeln, und das tat ich auch. Nämlich immer eine Eins!

 

Der Rest des Zeugnisses war mir immer relativ egal. Zur Praktikumszeit hatte ich es dank meiner Tante geschafft, einen Praktikumsplatz bei der Konditorei Niederegger in Lübeck zu ergattern. Doch weil mir von Lehrerstimmen davon abgeraten wurde, in einem Handwerksbetrieb ein Praktikum als Gymnasiastin zu absolvieren, ging ich zum Tierarzt. Das war mir körperlich viel zu anstrengend. Das Praktikum in Lübeck absolvierte ich in den Sommerferien, freiwillig. Ich war es ja gewohnt in der Freizeit zu helfen.

 

Doch dann plötzlich geschah es. In der 11. Klasse des Gymnasiums erhielt ich auf dem Zeugnis des ersten Halbjahres eine drei. 9 Punkte. Notensprung ohne Begründung. Das war zu viel für mich.

 

Konditorlehre statt Abi

 

Mein Bauch sagte mir: Bewerbungen schreiben. Gesagt getan und das mit Erfolg. Also begann ich zum 1. August vor Schuljahresabschluss meine Konditorlehre. „So kurz vorm Abi aufgeben...“ „Mach das doch erst zu Ende..“

 

Egal...Ich hatte mich entschieden. Raus aus den Strukturen der Freunde, immer samstags arbeiten, manchmal sogar sonntags...Alles war gut, aber leider nur 5 Monate lang, da erfüllte mich diese Ausbildung nicht mehr und ich langweilte mich.

 

Ich spielte schon mit den Gedanken alles hinzuwerfen, da ich auf der Berufsschule auch noch gemobbt wurde. Vom Gymnasium auf die Berufsschule...da lernte ich andere Gesetze kennen und Menschen aus anderen Strukturen. Und die Lehrer hatten größere Probleme, als sich auch noch um mich zu kümmern.

 

Doch als ich mich schon bei einem Lehrer mehr oder weniger verabschiedet hatte, meinte dieser: Ich kenne da noch einen Betrieb, der sucht noch so eine wie dich. Somit wechselte ich wenig später die Ausbildungsstelle, was man ja eigentlich auch nicht tut. Und das macht sich nicht gut auf dem Lebenslauf. Aber in dem Betrieb war es wunderbar. Ich wurde als vollständiger Mensch behandelt und wurde unterstützt.

 

Diese Bereicherung ließ mich genug Energie tanken für die Schultage. Mit ständig wechselndem Outfits, von der Latzhose bis zum Hosenanzug, gelang es mir, irgendwann nicht mehr die Klischees der Mobber zu erfüllen, wobei ich immer ein Kreuz an der Kette trug. Denn so absurd es auch für mich ist, und so oft, wie ich die katholische Kirche nicht verstehe, tut sie mir gut, wobei ich keine Kirchengängerin bin, welche meine Großmutter als vorbildlich bezeichnen würde.

 

Zu dieser Zeit lebte ich in einer Dreier-WG, zwei Freundinnen, die schon zu studieren begannen, und ich, wobei in meinem Zimmer meistens noch mein Freund zu gegen war. Ich ging um drei Uhr dreißig aus dem Haus und die Studenten kamen von der Party heim. Wenn ich nach Hause kam von der Arbeit, hörte ich aus einem der Zimmer: „Hast du Brötchen mitgebracht?“

 

Tja, mit der Gesellenprüfung endete diese Zeit. Beste Prüfung, einige Urkunden von Messeunterstützungen in der Tasche und los zum Landesentscheid. Ich hatte 11 Tage Zeit ein Konzept für diesen Entscheid zu konzipieren. Geschafft. Den Passat von Mama und Papa bis unters Dach vollgepackt mit Material und dann ab nach Wolfenbüttel. Ich wurde zweite. SUPER, aber.... Folgendes erfuhr ich nur durch Zufall, denn ein Berufsschullehrer von dort erzählte mir, dass alle anderen frischen Gesellen nur ihre Prüfung zu wiederholen brauchten. Nur der Innung Oldenburg gefiel es nicht, mit der Zeit zu gehen. Deswegen waren auch alle so überrascht, das nach zehn Jahren mal wieder aus Oldenburg sich jemand der Sache stellte. Dem Obermeister ließ ich es später wissen, wie ich das fand.

 

Achterbahn meines Lebens

 

Danach ging die Achterbahn meines Lebens so richtig los:

  • Begabtenförderung beantragt.
  • Zusage dafür.
  • Angebot vom Chef: Kannst die Meisterstelle haben, wenn du ihn machst, unser Herr F. geht ja bald in Rente.
  • Tod meines Bruders
  • Meisterschule auf Vollzeit in 4,5 Monaten
  • Meisteranstellung
  • Trennung vom langjährigen Partner
  • Angebot vom Chef, den Betrieb zu übernehmen
  • Abgelehnt
  • Bei einem Messebesuch Meisterlehrer wiedergetroffen, der sofort einen Job für mich hatte.
  • Gekündigt, auf nach Berlin, ich arbeitete fürs Adlon plus 14 Auszubildende an der Hand
  • Neuer Partner blieb in Oldenburg... Fernbeziehung
  • Tod meines Großvaters
  • Half dem Schulleiter der Bundesfachschule für das Konditorenhandwerk auf Messen in Berlin
  • Meinen neuer Partner mit schwieriger Vergangenheit begleitete ich durch die JVA
  • Betriebswechsel von Berlin in die Heimat zurück, da der 8-Monatsvertrag auslief (dieser Betrieb war es so gewohnt, dass die Angestellten nach einer Vertragsverlängerung fragten. Ich tat dies nicht, hatte ja für mich meinen Job gut erfüllt und damit das nächste Abenteuer)
  • Trennung vom Partner, der die Güte meiner Familie nicht länger ertrug. Unsere Leben waren einfach zu verschieden.
  • Nach einem Zehbruch, der unter einem Pferdefuß geschah, schrieb ich wieder Bewerbungen, da ich mal wieder gemobbt wurde. Junge Meisterin mit 25 in einem Team von ca.14 Männern und einer Auszubildenden. Ich hatte es dort schon ein halbes Jahr ausgehalten, aber das konnte ich nun wirklich keine Ewigkeit mitmachen, zudem war dies eine Bäckerei, die meinen Anspruch nicht erfüllte
  • Bewerbungen geschrieben
  • Drei Zusagen: deutsche Botschaft in Belgrad, Inselcafé auf Spiekeroog, Pâtessierstelle im Hotel in Hamburg. Oma sagte: „Wenn du auf die Insel gehst, besuche ich dich noch mal da.“
  • Entscheidung getroffen
  • Ab auf die Insel. Bekam nach drei Monaten den Führungsposten und durfte neue Mitarbeiter einarbeiten.

Ein neuer Abschnitt: Familie, Kinder

 

In diesem Sommer 2008 lernte ich meinen Mann kennen.... Mein verstorbener Bruder hatte damals einen Spruch auf den PC geschrieben, mit Edding, in dem ein Name vorkam. Heino. Davon gab es nicht so viele in unserem Dorf. Auf der letzten Party bevor es auf die Insel ging, traf ich ihn und fragte ihn nach dem Sinn dieses Spruches, der mir nicht einleuchtete. Danke Marion, dass du mich mit auf diese Party gezerrt hast.

 

Er erklärte es mir und dann war es wohl um ihn geschehen. Er bekam von einer anderen Freundin meine Nummer und da ich allein auf der Insel war, war das ne ganz nette Unterhaltung für mich, mehr eigentlich nicht. Bis er nicht mehr schrieb.

 

Da merkte ich, das was fehlte, diese Gefühl kannte ich. Aber dieses Mal war es so anders, weil ich wusste, dass er noch lebte. Also brauchte ich nicht trauern, sondern ihm nur die Wahrheit sagen. Wir trafen uns und hatten eine sehr schöne Zeit auf dieser Insel im Sommer.

 

Wir konnten sogar über Kinder sprechen, ein Thema, welches bislang gänzlich nicht in mein Lebenskonzept gepasst hatte. Es durfte zuvor auch niemand drüber sprechen...wollte ich auch nicht. Nie! Auch nicht heiraten.

 

Tja... Noch 2008 wurde ich zwar schneller als gedacht, aber gewollt schwanger … Anja bekommt ein Baby...die erste aus der Clique...unfassbar. Auch für die Familie.

 

Mit Babybauch wuppte ich trotzdem allein die Wintermonate auf der Insel. Mein Heino war so oft er konnte bei mir und nachdem ich die Weihnachtstage und Silvester trotz verbrannter Hand und schwanger meisterte, verließ ich kurz vor Ostern mit ordentlichem Bauch die Insel und zog bei Heino ein; ein Dorf neben meinem Heimatdorf.

 

Im Juni kam unser Sohn zur Welt. Wir tauften ihn Nils Martin (Martin heißt mein verstorbener Bruder). Ich entschloss mich selbständig zu machen, verkaufte nun abends Toilettenbürsten und Backofenreiniger, weil ich ja wusste, dass man in dieser Gegend keine Konditorstelle bekam.

 

Neuer Job in einem Café

 

Doch eines Tages klingelte das Telefon, ob ich nicht Lust hätte jetzt bei ihnen zuarbeiten? Sie hätten meine Mutter kennengelernt und erfahren, dass ich Mutter sei. Ich hatte mich in diesem Café beworben, weil eine Auszubildende meinte, dass es die richtige Stelle für mich sei, aber damals wollte ich einen Vollzeitjob und keinen halben.

 

Doch die Fronten hatten sich ja geändert und ich sagte zu. 25 km entfernt und die guten Menschen hatten auch schon eine Tagesmutter organisiert. Das passte.

 

Menschen, mit denen man sprechen konnte und kann. Die auch ein Ziel vor Augen hatten, nämlich die gehobenere Konditorei. Mir gefiel es. Ich hatte einen Mann, ein Kind und einen Job...niemals hätte ich soweit denken können. Wir entschieden uns, wenn das erste Kind laufen kann, können wir an ein zweites denken. 2011 war ich wieder schwanger. Ich erzählte es in der Firma und die freuten sich und gratulierten mir. Meine Chefin hatte zwar grade entschieden, das erste Jahr auf der Hochzeitsmessse auszustellen, aber ohne schlechtes Gefühl ging alles weiter. Im August 2011 heirateten wir, ganz alleine auf Spiekeroog. Nils war Trauzeuge und dann ging die Hochzeitspost in die Briefkästen. Das zweite Kind kam zur Welt: Fenja im Januar 2012.

 

Wir erreichten viele Hochzeitspaare mit unseren Hochzeitstorten und bekamen überzeugende Resonanz, trotz sehr beschränkter Zeit, die ich in der Firma verbringen konnte. Danke an Helga.

 

Dann bekamen wir unser Traumgrundstück zum Kauf angeboten. Zugeschlagen. Jetzt ist Ende 2015 und wir bewohnen unser neues Haus. Hinterm Haus stehen zwei Ponys, mein Mann ist noch immer selbständig und ich habe meinen Traumjob und zwei Kinder.

 

Zu den individuellen Hochzeitstorten, welche ins ganze Weser-Ems-Gebiet geliefert werden, zeigen wir an Abenden z.B. Landfrauen, wie man Torten schnell und einfach zu etwas Besonderem macht, natürlich nur, wenn man uns einlädt. Ehrenamtlich beteilige ich mich in der Kirchenarbeit für die ganz kleinen und habe drei Jahre die Eltern-Kind-Gruppe geleitet in unserem Dorf.

 

Es geht, wenn man will

 

Und das Schicksal lässt die richtigen Menschen aufeinandertreffen, man muss nur seinem Bauch Mitspracherecht gewähren. Natürlich gab es auch Zeiten von Krankheit und Verlusten, doch mein Resumee meines Weges lautet: Schau nach vorn und nehme eine neue Herausforderung in Angriff, so kommt man an Ziele, die viel besser sind als die, die man sich vorstellt hat.

 

Ach und: Meine Oma hat mich wirklich auf der Insel besucht. Im stolzen Alter von 78 Jahren ist sie mit mir auf dem Fahrrad über die Dünen geradelt. Danke Oma und Danke Mama und Papa, dass ihr mich so erzogen habt, das ich die bin, die ich bin.