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16.2.2017

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Aktuarin statt Schwimm-Olympiasiegerin

Aktuare sind mehr als nur Zahlenzauberer. Sie sind auch Übersetzer, Kreative und schnelle Denker. Was sie sonst noch können sollten, weiß Tanja Neitzel. Sie ist verantwortliche Aktuarin der ERGO Lebensversicherung AG – und als Frau in diesem Beruf längst keine Exotin mehr.

 

Frau Neitzel, was genau ist ein Aktuar?
Aktuare sind speziell ausgebildete Versicherungsmathematiker. Unsere Aufgabe ist es, mathematisch fundierte Handlungsempfehlungen zu geben, wie wir gleichzeitig mit unseren Produkten den Kunden gerecht werden und als Wirtschaftsunternehmen erfolgreich sein können. Dazu bewerten wir in der Zukunft liegende, unsichere Ereignisse. Teilweise müssen wir dabei weit in die Zukunft schauen. Gerade bei der Lebensversicherung beträgt der betrachtete Zeitraum oftmals 50 Jahre und mehr. Mithilfe von komplexen Rechenmodellen berücksichtigen wir die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Zukunftsszenarien. Daraus ergeben sich zum Beispiel die Beiträge für unsere Tarife.

 

Wo findet man Aktuare bei ERGO?
Naturgemäß in den mathematischen Bereichen. Aber Aktuare können nicht nur Tarife und Beiträge berechnen. Da sie gelernt haben, strukturiert und abstrakt zu denken und sich schnell in alles Mögliche einzuarbeiten, sind Aktuare sehr flexibel einsetzbar – und sowohl für strategische Aufgaben als auch für operative Tätigkeiten sehr gut geeignet. Man findet Aktuare bei ERGO quasi überall: im Risikomanagement, in Bilanzabteilungen, in strategischen Abteilungen, in der IT, im Produktmanagement, in der Kapitalanlage, in der Verwaltung, im Vertrieb…

 

Welche Eigenschaften muss man als Aktuar mitbringen?
Mathematischer Sachverstand ist natürlich ein Muss. Die meisten Aktuare haben ein mathematisches Studium erfolgreich absolviert oder sogar darin promoviert. Außerdem sollte man eine schnelle Auffassungsgabe haben und analytisch-abstraktes Arbeiten mögen. Auch Empathie und Kreativität sind gefragt: Was möchte mein Auftraggeber? Wie übersetze ich seinen Auftrag in ein geeignetes mathematisches Modell? Und schließlich muss man die eigenen Lösungsansätze, aber auch deren Grenzen – nämlich: Was bildet das Rechenmodell ab und was nicht? – verständlich und anschaulich für Nicht-Mathematiker kommunizieren können. Was auch immer wichtiger wird: Aktuare müssen zunehmend als Übersetzer zwischen den vielen Schnittstellen fungieren.

 

Wie wird man Aktuar? Und gibt es in Deutschland viele Aktuare?
Die Ausbildung erfolgt berufsbegleitend an der Deutschen Aktuar-Akademie und dauert mindestens drei Jahre. Erst nach erfolgreicher Prüfung darf man die Mitgliedschaft bei der Deutschen Aktuarsvereinigung beantragen und offiziell den Titel Aktuar (DAV) führen. Der Beruf des Aktuars ist stark gefragt. Während es vor zehn Jahren knapp 2.500 Aktuare (DAV) gab, dürfen sich mittlerweile knapp5.000 Menschen in Deutschland so nennen. Weitere 1.600 befinden sich derzeit in der Ausbildung. Übrigens: Immer mehr Frauen entscheiden sich für den Beruf des Aktuars. Das war noch vor wenigen Jahren anders.

 

Frau Neitzel, Sie sind verantwortliche Aktuarin für die ERGO Leben. Was heißt das?
Die Aufgaben sind gesetzlich geregelt. Zu den wichtigsten gehört sicherlich die Kalkulation der Prämien und der Deckungsrückstellung aufgrund gesetzlicher Vorgaben, die Überprüfung der Finanzlage auf dauerhafte Erfüllbarkeit der in den Versicherungsverträgen eingegangenen Verpflichtungen sowie die Erarbeitung eines Vorschlags für die Überschussbeteiligung der Kunden.

 

Was wollten Sie als Kind werden? 
Mit elf wollte ich noch Schwimm-Olympiasiegerin werden. Aber da man davon leider nicht leben kann, habe ich später doch lieber ein Wirtschaftsmathematikstudium angefangen.

 

Zur Person

 

Tanja Neitzel begann ihre Karriere im Konzern als Sachbearbeiterin in der Mathematik. Im Jahr 2009 übernahm sie erste Führungsaufgaben. Heute ist sie Bereichsleiterin „Aktuarielle Steuerung Leben“. Seit dem 1. November 2015 ist die 38-Jährige zusätzlich Verantwortliche Aktuarin für die ERGO Lebensversicherung AG sowie für die Victoria Lebensversicherung AG.

 

Die gebürtige Flensburgerin lebt zusammen mit ihrer Familie in Hamburg, ist beruflich aber oft in der Konzernzentrale in Düsseldorf anzutreffen.

 

Außerdem ist sie aktive ERGO Betriebssportlerin. Ihre Lieblingsdisziplinen: Volleyball, Laufen und Schwimmen.

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