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21.7.2015

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Wohnen für Hilfe – Jung und Alt unter einem Dach

Smartphone und Telefon mit Wählscheibe

Bei dem Projekt „Wohnen für Hilfe“ bieten Familien wie auch Senioren Studenten eine kostenlose Unterkunft an. Statt Miete zu zahlen, helfen diese dann im Haushalt oder leisten beispielweise alten Menschen einfach Gesellschaft. So auch bei einer Freundin von mir. Sie ist 26 Jahre, studiert an der Universität Freiburg und hat ein halbes Jahr mit einer 88 Jahre alten Frau zusammengelebt. Im Interview erzählt sie mir von ihren Erfahrungen aus dieser Zeit.

 

Leben im Alter

 

Wie bist du auf das Projekt „Wohnen für Hilfe“ aufmerksam geworden?
Ein befreundeter Student, der selbst mitgemacht hat, hat mir davon erzählt. Ich fand die Idee super, weil in Freiburg die Mieten so hoch sind und ich Geld sparen wollte. Und ich dachte: Es macht mir nichts aus, anderen zu helfen. Im Gegenteil!

 

Und wie kommt man dann an ein Zimmer, wenn man sich für diese Form des Zusammenwohnens interessiert?
Das wird vom Studentenwerk organisiert. Ich musste einen Bewerbungsbogen ausfüllen und meine Präferenzen eintragen – also Stadtteile, die in Frage kommen, und auch welche Aufgaben ich im Haushalt übernehmen könnte. Ich mache zum Beispiel nicht so gerne Gartenarbeit. Das habe ich dann schon mal ausgeschlossen. Im Anschluss daran bekam ich eine Liste von Angeboten und konnte mir eines davon aussuchen.

 

Für welches hast du dich schließlich entschieden?
Ich habe bei einer 88-jährigen Frau gewohnt, die alleine lebt und ihr Haus leider nicht mehr verlassen kann. Zum Glück hat sie aber sehr viele Freunde. Und ihre Nichten, die sie ebenfalls unterstützen, wohnen bloß ein paar Straßen weiter. Sie ist wirklich eine supercoole Person und ein sehr warmherziger Mensch.

 

Welche Art von Hilfe konntest du ihr bieten?
Da ich die erste „Wohnen für Hilfe“-Studentin in diesem Haushalt war und ich selbst auch das erste Mal mitgemacht habe, war das ein bisschen unklar. Sie und ihre Familie wussten gar nicht, was sie wollten – und ich wusste es auch nicht. Im Vertrag stand eigentlich nur, dass ich Gesellschaftsspiele mit ihr spielen soll. Aber da ich eh jeden Mittag für mich koche, hab‘ ich irgendwann einfach immer für sie mitgekocht. Und weil sie am liebsten schon um 11.30 Uhr isst, habe ich mich auch danach gerichtet. Eine Putzfrau gab es eigentlich auch. Die war aber auch schon über 80 und hat dann, nachdem ich eingezogen war, das Putzen eingestellt. Schließlich habe ich dann auch das Putzen übernommen. Das war in Ordnung für mich.

 

Welche Räumlichkeiten habt ihr euch denn geteilt?
Wir haben auf derselben Etage gewohnt, ich hatte aber natürlich mein eigenes Zimmer. Küche und Bad haben wir uns geteilt. Nebenkosten musste ich übrigens auch keine zahlen. So etwas wird aber auch immer individuell vereinbart.

 

Auf welche Schwierigkeiten bist du – rückblickend – gestoßen, wenn es denn überhaupt welche gab?
Ich habe die Sache für mich persönlich ziemlich unterschätzt. Es macht einen Riesenunterschied, ob man in einer Studenten-WG oder mit einem älteren Menschen zusammenwohnt. Ich hab‘ mich immer als Gast und nie richtig Zuhause gefühlt. Vor allem aber habe ich die emotionale Ebene total falsch eingeschätzt. Wenn ein Mensch zum Beispiel gerade eine Altersdepression durchlebt und plötzlich weinend im Wohnzimmer sitzt – also für mich war das sehr belastend.

 

Da fühlt man sich bestimmt hilflos. Wie hast du dann reagiert?
Ja, man braucht wirklich eine stabile Persönlichkeit. Das ist nicht für jeden was. Sie hatte zum Beispiel auch Angst, nachts alleine zu sein und bat mich, nicht nach Mitternacht nach Hause zu kommen. Ich habe mich dann daran tatsächlich gehalten.

 

Und welche weiteren Erfahrungen nimmst Du aus dieser Zeit mit?
Selbstverständlich gab es auch die wirklich schönen Momente. So war es zum Beispiel sehr interessant, was sie zu erzählen hatte – von damals, vom Krieg und aus ihrer Jugend. Sie hat ihr ganzes Leben lang in derselben, also in dieser einen Straße gewohnt. Ich finde es interessant, wie sehr man mit seinem Geburtsort und in seiner Nachbarschaft verankert sein kann. Wir sind heute ja kaum noch an einem Ort verwurzelt.

 

Meinst du, dass das Projekt zu mehr Dialog zwischen Alt und Jung beitragen kann?
Es ist schwierig, von Dialog zu sprechen. Zumindest in meinem konkreten Fall. Es war schon mehr ein Monolog. Sie hat mich nie gefragt, was ich denn so mache. Ich habe es allerdings auch nicht von mir aus erzählt oder sie darauf aufmerksam gemacht. Auch fand ich es nicht einfach, jemandem, der selbst keine Hochschule besucht hat, von meinem Studium und meinem Leben als Studentin zu erzählen.

 

Was hältst du also von „Wohnen für Hilfe“ insgesamt, nachdem du deine Erfahrung gemacht hast?
Da ich ein sehr aktiver Mensch bin, war das gemeinsame Leben mit einer alten Dame, die im und mit dem Alter so ihre Schwierigkeiten hat, nicht das Richtige. Ich könnte mir aber vorstellen, wenn noch ein Student dort gewohnt hätte, wäre es einfacher gewesen für mich.

 

Weitere Erfahrungsberichte zum Thema „Jung und Alt und einem Dach – Wohnen für Hilfe“:

 

„Mein Mitbewohner ist ein Rentner“

„Günstiges Studentenzimmer als Tausch für Hilfe für den Vermieter“

„Neues Konzept für Studentenzimmer"

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