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23.6.2015

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Fremd im eigenen Land, fremd im eigenen Kopf

Demenz und Migration

Zuwanderer, die im Alter an Demenz erkranken, sind gleich dreifach belastet: Die Migrationsgeschichte, der Ruhestand und die zunehmende Vergesslichkeit führen bei vielen zu Stressmomenten. Gewöhnliche Pflegeangebote befriedigen nur selten ihre kulturellen Bedürfnisse – von den Sprachbarrieren mal ganz zu schweigen.

 

„Demenzerkrankte Menschen mit Migrationshintergrund sind eine bislang bundesweit vernachlässigte Gruppe“, beschrieb Reinhard Streibel, ehemaliger Mitarbeiter der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Nordrhein-Westfalen, bereits 2008 diesen Umstand. Dabei lag die geschätzte Zahl der Demenzpatienten mit Zuwanderungsgeschichte hierzulande im Jahr 2011 schon bei knapp 100.000, alleine in NRW waren es fast 25.000 – Tendenz steigend.

 

Leben im Alter

 

Von den Gastarbeitern, die in den 60er- und 70er-Jahren nach Deutschland kamen, sind inzwischen einige in ihre Heimatländer zurückgekehrt. Die, die auch im Alter hier bleiben, tun dies, weil sie sich eine neue Familien- und Lebensstruktur geschaffen haben. In der Gruppe der über 65-Jährigen machten sie im vergangenen Jahr immerhin einen Anteil von insgesamt 8,8 Prozent aus.

 

Kultursensible Pflege

 

Doch gerade die Zuwanderer der ersten Stunde verfügen über weniger gute Deutschkenntnisse. Weshalb sich viele von ihnen vielleicht auch weniger mit Deutschland identifizieren als beispielsweise ihre Kinder oder jüngere Zuwanderer. Was aber bedeutet das für diese Menschen, wenn sie an Demenz erkranken?

 

Meist erleiden sie einen doppelten Sprachverlust. Bei fortschreitender Erkrankung verfallen sie häufig ganz zurück in ihre Muttersprache. Zudem ist die Krankheit in vielen anderen Kulturen mit einer großen Scham verbunden. In der Folge wird der zunehmende Gedächtnisverlust tabuisiert, Pflegeangebote werden nicht in Anspruch genommen. Das ist in vielen Ursprungsländern der Zuwanderer auch gar nicht notwendig. Denn dort ist es nach wie vor Aufgabe der Familie, ältere Familienangehörige zu pflegen und sie im Alter entsprechend zu unterstützen. Die eigenen Eltern dann „in fremde Hände“ – also ein Pflege- oder Altenheim – zu geben, ist für viele Familienangehörige mit Migrationsgeschichte keine Option. Umso wichtiger ist es also, in Deutschland Betreuungsangebote zu schaffen, die die bilingualen und interkulturellen Bedürfnisse der dementen Migranten im Fokus haben und denen auch die Angehörigen vertrauen.

 

Welche Konzepte gibt es bereits?

 

Im Ruhrgebiet beispielsweise können sich Betroffene an das Demenzservicezentrum für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte wenden. Die Einrichtung der AWO findet sich im Integrativen Multikulturellem Zentrum der Stadt Gelsenkirchen. Auf der Webseite des Servicezentrums gibt es Informationen auf Türkisch und Russisch, bald soll eine Übersetzung ins Polnische folgen.

 

Tatsächlich stammen in der Generation 65+ die meisten Migranten aus Russland. Deshalb wurde zum Beispiel in Köln „NASCH DOM“ ins Leben gerufen. Das Projekt dient der Versorgungsverbesserung russischsprachiger Demenzkranker und kooperiert mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen (BAGSO) sowie dem Kultur- und Integrationszentrum PHOENIX. Es richtet sich an Spätaussiedler, die erst im fortgeschrittenen Alter nach Deutschland eingewandert sind und demnach die deutsche Sprache nur schlecht beherrschen.

 

Auch in Berlin gibt es ähnliche Hilfsprogramme. So bietet das interkulturelle ambulante Pflegeteam „Medicus“ neben der Betreuung auch Wohngemeinschaften und Begegnungsstätten für Betroffene an.

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